Mittwoch, 1. September 2010

Sonntag, 29. August 2010

foodcontent (xlviv).

lange, sehr lange ist er her, der letzte food content. und was habe ich in der zwischenzeit nicht alles versprochen, zu ver-foodbloggen: mein rezept für die ultimative bolognese, rezepte für naanbrot, bagels und sesamkringel, kässpätzlegeheimnisse (und bestimmt noch mehr). ich hol das alles ganz bestimmt noch nach, aber kopf und hände sind gerade sehr voll mit dingen anderer art, so dass es vielleicht noch etwas dauern wird, bis ich wieder mehr zeit finde, um übers essen zu bloggen. oder überhaupt zu bloggen.

ich hoffe, die werte leserschaft bis dahin mit diesem knaller- rezept vertrösten zu können:

zucchini- pizza


diese pizza ist tatsächlich die beste, die ich je gegessen habe. ich war nie in einem erstklassigen italienischen restaurant und kenne nur tiefkühl-, liefer- und selbstgemachte pizzen und solche zum mitnehmen aus italienischen 0815- restaurants, die sich von lieferpizzen kaum unterscheiden: labberig, fettig und mit so viel "käse" (vgl.: "gastro-block"; "veganer- block"; analog- käse) obendrauf, dass man von den übrigen zutaten kaum mehr etwas schmeckt.
tiefkühlpizzen schmecken für mich meistens irgendwie chemisch- seifig und oft tropft das fett davon nur so herunter, wenn man sie etwas schräg hält.
und selbstgemachte pizzen enden unter dem belege- enthusiasmus des pizzabäckers meist als eine art auflauf mit teigboden und ebenso zuviel käse auch nicht so lecker. (ich habe ohnehin schon öfter gelesen, dass auf echte pizza sowieso kein käse obendraufkommt, und schon gar keine geriebener emmentaler oder sowas. in echt nimmt man wohl mozzarella und der kommt untendrunter, auf die tomatensoße und unter den restlichen belag. heißt es.)

nichts desto trotz umtreibt mich seit einiger zeit ein gewisser ehrgeiz, eine richtig gute pizza zu hause hinzubekommen. und nach ein paar angestrengten versuchen habe ich das dann ebenso plötzlich wie zufällig tatsächlich geschafft. ich habe dafür außer ein paar planlos zusammengesuchten zutaten noch ein dauerquäkendes neugeborenes, schlechte laune und eine völlig zerschossene zeitplanung gebraucht. seither habe ich die pizza aber zweimal kontroll- gebacken und festgestellt, dass dies keine unbedingt notwendigen rahmenbedingungen sind.

grundlage für die pizza ist jamie olivers rezept für pizzateig, wobei ich es noch nie mit semolina tipo 00 gemachte habe, sondern immer mit einer etwa gedrittelten mischung aus weizenmehl 405, 550 und 1050, und ich habe das ergebnis unter der fertigen pizza trotzdem als ziemlich perfekt empfunden (aber wie gesagt: ich weiß es auch nicht besser). ich mache immer die volle 1kg- menge. für ein blech der zuchhini- pizza braucht man davon weniger als die hälfte; was übrig bleibt friere ich fürs nächste mal ein oder mache pizzabrötchen draus, die wir dann mit kräuterbutter und tomatensalat als abendbrot essen.



für die tomatensoße nehme ich
1 große dose ganze tomaten
2-3 EL dreifach konzentriertes tomatenmark
1 zwiebel
1 knoblauchzehe
einige zweige frischen thymian
salz
pfeffer
1/8 l rotwein

zwiebel und knoblauch würfeln und zusammen mit den abgezogenen thymianblättchen in einem ordentlichen schuss olivenöl andünsten. das tomatenmark dazugeben und kurz mitrösten, mit rotwein ablöschen und die tomaten samt -saft dazugeben. die tomaten mit der gabel in grobe stücke teilen und das ganze 10- 15 minuten köcheln lassen. mit dem pürierstab zu einer einigermaßen homogenen soße zerkleinern (ich mache das immer in direkt in der pfanne; wenn man die hand nah über den pürierstab hält, hält sich die sauerei in grenzen) und noch weitere 10- 15 minuten köcheln lassen. mit salz und pfeffer abschmecken.


für den pizza- belag braucht man vor dem backen:
250 g (büffel-) mozzarella
100 g steinchampignons
jeweils in nicht zu dünne scheiben geschnitten

den backofen auf 230°C (umluft) vorheizen. ein backblech mit olivenöl auspinseln und etwas weniger als die hälfte des pizzateigs auf der bemehlten arbeitsfläche ca. 6 mm dünn ausrollen, so, dass er etwas größer ist, als das backblech. das backblech direkt daneben stellen und den teiglappen beherzt, aber vorsichtig (damit er nicht reißt) auf das backblech bugsieren, in ecken und kanten festdrücken und den überstehenden teig abschneiden. den restlichen teig in frischhaltefolie einfrieren. die tomatensoße gleichmäßig, nicht zu dick und bis ganz an den rand auf dem teig streichen (es wird etwa 1/3 der tomatensoße übrigbleiben). darauf den mozzarella und die pilze verteilen. die pizza für 15- 20 minuten im ofen backen (der rand sollte knusprig und leicht gebräunt ausshen, der mozzarella etwas schmelzen und hier und da bläschen werfen - aber auf jedenfall hell und weich bleiben und nicht bräunlich einbrutzeln).

während die pizza backt, für den pizza- belag nach dem backen vorbereiten:

2 zucchini, mit dem sparschäler in dünne streifen geschnitten
ca. 100 g etwas festeren, krümelfähigen ziegenfrischkäse
eine handvoll basilikumblätter, grob zerzupft
schwarze, entsteinte oliven guter qualität und am besten ohne knoblauch in olivenöl eingelegt - grob gehackt
salz und pfeffer aus der mühle
flüssigen honig
sonnenblumenkerne

die fertig gebackene pizza zügig belegen: erst den käse einigermaßen gleichmäßig darauf zerkrümeln, dann die zucchinistreifen verteilen (das wird zunächst nach sehr viel zucchini aussehen, aber das passt schon so). dann den basilikum, die olivenstücke und die sonnenblumenkerne drüber werfen, ca. 2 EL des honigs daraufträufeln und mit salz und pfeffer übermahlen. in stücke schneiden und servieren. durch die hitze der pizza fallen die zucchinistreifen ganz leicht zusammen, bleiben aber schön frisch und knackig.

ich wünsche guten appettit!

Montag, 23. August 2010

Samstag, 21. August 2010

immer noch vegetarisch mit deutlicher tendenz zum veganismus.

hartgekochte sonntagsfrühstückseier gehen nun auch nicht mehr; eier in kuchen oder naanbrot sind weiterhin okay. butter aufs brot geht nicht mehr, meine geliebte regelmäßig spätabends genossene scheibe ofenwarmen brotes mit butter und salz, es geht irgendwie einfach nicht mehr und ich möchte fast flennen deswegen. in butter gebratenes ist so 'naja', in ghee gebratenes ist mir schon lieber.
das fast allmorgendlich genossene müesli mit milch macht nur selten probleme. wenn, dann verursacht der die vorstellung, milch zu trinken, ein schleimiges gefühl im hals (nicht ganz so schlimm wie bei der vorstellung, schokolade zu essen) und dann esse ich wassermelone oder knäckebrot mit avocado.
gestern das eigentlich vegane curry mit sehr viel joghurt strecken müssen, weil es zu scharf war. hinterher war mir nachhaltig bis spät abends übel; ich weiß nicht, ob von zu viel schärfe oder zu viel joghurt.
bisher keine probleme mit hüttenkäse, zum glück. wenn das auch noch irgendwann...ich will gar nicht dran denken.

heute bereits um kurz nach acht auf dem münstermarkt gewesen, das gefühl gehabt, meine sinne reichen gar nicht aus, um die unglaubliche fülle an spätsommerlichem obst- und- gemüse- angebot vollständig wahrnehmen zu können. bergeweise zucchini, die ersten kürbisse, dicke büschel kräuter, prall gefüllte kartoffelkörbe, unendliche marktstandmeter mit beeren und zwetschgen, eine riesige auswahl frischer pilze, tomaten und paprika und gurken aller formen, farben und größen, unbegreifliche fülle. seit 10 jahren kaufe ich mindestens einmal in der woche auf dem münstermarkt ein und jedes jahr aufs neue treibt mir das angebot in dieser jahreszeit fast, jaja, ich weiß schon wie das klingt, die tränen in die augen. aber wenn's halt so ist.

hätte am liebsten alles, alles, alles gekauft; tatsächlich mitgenommen haben wir ein kilo der allerletzten sauerkirschen, ein kilo zwetschgen, ein halbes pfund himbeeren, ein pfund erdbeeren, vier pfirsiche, ein knappes pfund pilze (drei sorten), ein kilo äpfel. und natürlich wassermelone vom türken, bananen aus dem bio- supermarkt. ein für diesen sommer sehr typischer markteinkauf, spätestens dienstag wird von alldem nichts mehr übrig sein.

dann teilen wir uns interessenbedingt für eine dreiviertelstunde auf; als wir uns zum gemeinsamen nachhausefahren wiedertreffen, habe ich ersatz für meine gebrochenen sockenstricknadeln in der tasche, ein bilderbuch für den großen sohn und, endlich, "tiere essen" von jonathan foer. der mann hat sich 300 gramm entrecôte beim biometzger gekauft, das will er sich, nachdem er nun fast 2 monate lang sehnsüchtig jeder fleischigen durftfahne hinterherschnüffelte, morgen auf den grill werfen.

ich weiß nicht welches bisschen schiss größer ist: das vor der lektüre des neuen buchs oder das davor, dem mann beim fleischessen zuzusehen.
immer noch keine ahnung, was das alles soll, immer noch nachhaltige verwirrung.

Freitag, 20. August 2010

ich kann den herbst kaum erwarten. warme farben, kastanien, kürbisse. nebelfeuchte morgenstunden, wärmende suppen. oh, wie lange noch, wie lange noch?

Mittwoch, 4. August 2010

mein körper macht merkwürdige dinge. seit etwa einer woche vor der geburt des zweiten sohnes möchte er kein fleisch mehr haben. anfangs hat es mich irritiert, jedesmal, wenn ich überlegte, was ich kochen will festzustellen, dass mich der gedanke daran, fleisch zu schneiden, zuzubereiten, zu essen, abstößt. mittlerweile denke ich bei der essensplanug wie selbstverständlich fleischlos.
nun fängt es langsam an, sich auszuweiten. milch, butter und joghurt gehen noch ganz gut, eier und käse auch, solange sie unsichtbar im essen verschwinden. käse aufs brot geht gar nicht mehr und die beiden flaschen sahne im kühlschrank blicken mich mit jedem tag, der sie näher an ihr verfallsdatum bringt, hilfloser an. den geburtstagskuchen für den mann - schweizer kirschwähe mit eier-crème fraîche- guss - konnte ich nach einem kleinen probier- stückchen nicht mal mehr riechen, geschweige denn ein weiteres stück davn essen. auch meine lust auf schokolade hat seit der geburt deutlich nachgelassen; wenn ich überhaupt welche esse, dann meist aus sehr plötzlichem stillhunger heraus. da aber meistens eh keine schokolade da ist, futtere ich zwischendurch alle möglichen sorten nüsse; auch fast jedes zweite mittagessen und unser selbstgebackenes brot enthält entweder cashews, walnüsse, sonnenblumenkerne oder sesam. sehr erstaunlich, wie geschickt die natur den apettit so lenken kann, dass man von ganz allein zu den lebensmitteln greift, deren inhaltsstoffe ersetzen, was man durch den nicht- verzehr von anderen lebensmitteln nicht zu sich nimmt.
vegetarisch oder vegan zu leben, bereitet mir keinerlei probleme; es ging ja schonmal anderthalb jahre lang sehr gut und vor allem nachhaltig bereichernd ganz ohne tierische produkte im essen. nur beginnt es diesmal ganz von selbst, ohne rationale planung meinerseits. es passiert einfach, intuitiv, von irgendwo ganz tief unten her, ohne dass ich das gefühl habe, einfluss nehmen zu können. merkwürdig. ich bin gespannt, wo das hinführt, wie lange das noch weitergeht und ob sich irgendwann eine erklärung dafür offenbaren wird. interessant wäre herauszufinden, ob der kleine sohn möglicherweise irgendeine art von unverträglichkeit hat, deretwegen es sinn machen würde, dass ich auf fleisch verzichte, damit er die entsprechenden unverträglichen substanzen nicht über die muttermilch durch mich aufnimmt. abwarten.

Freitag, 30. Juli 2010

baby present for kolja.


[artwork by jademond.]

Dienstag, 27. Juli 2010

die ganze zeit denkt man so: das ist ja alles viel einfacher als gedacht mit zwei kindern, und das, was nicht so einfach ist, das wird sich ja sicher auch noch irgendwie ergeben. es macht viel spaß alles, es ist anstrengend, aber es gibt so viel neues zu gucken, zu entdecken, zu erfahren, zu freuen, und sogar zum arbeiten komme ich zwischendurch auch ab und zu noch.
und erst auf den zweiten blick stellt man fest, wie viel dann doch liegenbleibt, zu kurz kommt. das bloggen, e-mails beantworten, schlafen, essen, für sich selbst sein. im kopf tausend tolle sachen, die ich mit den und für die kinder machen will; heute, nächste woche, in ein paar monaten, in einigen jahren. lauter überlegungen, was ihnen vielleicht gefallen könnte, was einfach schön wäre für sie zu tun. drachen basteln und steigen lassen, steine, kastanien, bucheckern sammeln. bei der krötenwanderung helfen gehen, ihnen dieses und jenes kleidungsstück stricken, eine spiellandschaft nähen. ihnen im winter wärmflaschen in die lammfellfußsäcke legen, wenn wir bei minusgraden rauswollen. tausend gesten der fürsorglichkeit; vorfreude darauf, spaß daran.
zwischendurch kurz die überlegung, ob ich über all das mamasein vielleicht ein bisschen vergessen habe, wer ich bin. oder ob es jetzt eben das ist, was ich bin.

Donnerstag, 22. Juli 2010

wo ja immer alle über die dhl und insbesondere ihre zusteller lästern, muss ich an dieser stelle mal eine lanze brechen für unseren neuen zusteller. nach dem einen, der im lieferwagen immer rauchte und demzufolge immer nach aschenbecher stinkende pakete ablieferte, und dem anderen, der immer dreivierfünfmal klingelte und, hatte man es nicht innerhalb der folgenden zweieinhalb sekunden zur tür geschafft, sturm zu klingeln begann, haben wir nämlich jetzt einen zusteller, der total super ist.
während ich noch schwanger war und er mich einzwei male nicht angetroffen hatte, fragte er, wann ich denn gewöhnlich vormittags das haus verließe und wann ich in der regel wieder zurück sei - damit er nach möglichkeit dann kommt, wenn ich da bin. damit ich mit dem schweren bauch nicht auch noch zur post latschen muss. da war ich im positivsten sinne schon sehr perplex. heute früh klingelte er dann; ich hatte den großen sohn auf der hüfte sitzen und den kleinen sohn auf der anderen seite über der schulter hängen; öffnete die tür mit dem ellbogen und wusste kurz nicht, welches kind ich jetzt wo ablegen oder -setzen sollte, um das paket annehmen und auf dem elektroknochen unterschreiben zu können. da winkt der dhl- bote ab, drückt das päckchen dem großen sohn in die hand und sagt: "ach, lassen sie, ich kann auch unterschreiben"; sprachs, lächelte und düste irgendwas auf den touchscreen kritzelnd wieder ab.
fand ich super. wenn der in der weihnachtszeit immer noch unsere route bedient, kriegt er eine tüte kekse.

Montag, 12. Juli 2010

quotable (lxiv).

"Und wieder muss ich lachen, weil da wieder jemand dachte, dass er mich kennt. Wie einfach das wäre. Wie nah. Wie unmöglich."

[lisa über das (vermeintlich öffentliche) leben im internet.]

Freitag, 9. Juli 2010

dankeschön möchte ich noch sagen für all die tollen twitter-replies, mails und geschenke, die mich und uns in den letzten 2 wochen erreicht haben. insgesamt sind das viel, viel zu viele raktionen auf mein geburts- getwitter und glückwünsche zu unserem zweiten sohn, als dass ich jede einzelne davon beantworten könnte (beim 204. @reply und der 14. mail habe ich aufgehört zu zählen). ich habe mich aber über jede einzelne nachricht sehr gefreut und sie sehr gerne gelesen. ihr seid toll, danke. gesondert und ganz besonders bedanken möchte ich mich bei anke, die mir zur geburt ein strickbuch von meinem amazon-wunschzettel schenkte; bei sue, von der der kleine sohn ein schnuffelpüppchen und ich eine flasche lavendelöl bekam (lavendel! weleda!!); bei madame rakete, die dem sohn ein lieder- und geschichtenbuch spendierte und natürlich bei caro und r. für das dabeisein in den letzten wochen, für eine lavendelpflanze und ein lustiges babydings, für brustwarzensalbe und wassermelone, ein tolles buch für max und einen großen berg wochenbettverpflegung. ihr seid so toll, alle und ich stehe wieder mal im positivsten sinne fassungslos da und staune darüber, wie gut alles geworden ist.

gesuch.

falls jemand ein babybay günstig abzugeben hat oder für einige monate verleihen kann, würde ich mich über eine entsprechende mail [ellahartmann bei googlemail punkt com] freuen.

babybay gefunden, dankesehr :)

Freitag, 2. Juli 2010

wie es war (ii).

beschlossen, keinen ausführlichen geburtsbericht zu bloggen.

ich habe den geburtsverlauf ohnehin bis kurz vor einsetzen der austreibungsphase live getwittert und und fotos von der geburt geflickrt; es war schön, so viel zu von diesem besonderen tag zu teilen. mein kind wurde geboren und ihr wart dabei; ihr menschen aus diesem merkwürdigen internet, ihr fremden, ihr freunde, die ich noch nie persönlich getroffen habe, ihr anonymen geschenke-schicker, ihr inspirierer. es war eine schöne möglichkeit, einen weiteren höhepunkt dieses merkwürdigen lebens, das ihr hier seit jahren schon mitlest, mit euch zu teilen und zu feiern. danke, dass ihr dabei wart.
der minutengenaue ablauf und irgendwelche zahlen darüber, wie weit der muttermund zu welcher uhrzeit geöffnet war - wen interessiert das denn bitte. in meiner erinnerung spielen andere momente die deutlich größere rolle.

für den schmerzhaften teil der geburt, insbesondere für die presswehen (die ich auch diesmal vollkommen unbetäubt erleben durfte, denn bei einer hausgeburt ist natürlich keine pda oder betäubung anderer art möglich) gilt, was ich schon nach der geburt des größeren sohns schrieb, und nach der geburt des kleinen sohns dann in diese empörten worte fasste: die körperliche erinnerung an diese unfassbaren, apokalyptischen schmerzen, die körperlich nachvollziehbare reproduzierbarkeit des gefühls, einen kleinen menschen aus sich herauszupressen, war bereits wenige minuten nach der geburt verblasst. sauerei. wo ich mir doch diesmal fest vorgenommen hatte, mir den schmerz diesmal besonders gut zu merken, um der versuchung, ein drittes kind zu bekommen, mit dem wissen entgehen zu können, dass ich DAS ganz sicher nicht nochmal durchleben will.

kaum ein paar momente zuvor kniete ich noch fluchend auf der matratze, die unterarme auf einen stuhl gestützt. bei jeder presswehe gab ich ein irrsinnig tiefes und - wie ich dachte - lautes, animalisches knurren von mir; eines von der sorte wie man es aus exorzismus- filmen kennt. es hätte mich nicht gewundert, wenn ich irgendwann angefangen hätte, dämonische verse in irgendeiner uralten biblischen sprache auszuspucken. dieses knurren: ein geräusch, dass man definitiv nicht nachahmen kann, wenn man keine presswehen hat. ein ausdruck ungeheurer kraft, und trotzdem jagte es mir ein wenig angst ein, dass solche geräusche aus mir rauskommen. ein knurren, über das der mann zu meiner großen verblüffung später sagte: "das war ein sehr schönes geräusch" und von dem die nachbarn rein gar nichts mitbekommen hatten; sie reagierten sehr überrascht auf die nachricht, dass das kind jetzt da sei. unter jeder wehe rannte mir der schweiß nur so übers gesicht; in jeder wehenpause hing ich vollkommen fertig und fluchend über dem stuhl.

irgendwann dieser absurde moment, als der kopf des babys schon zu sehen und zu tasten war; als es selbigen bewegte, mich damit kitzelte und ich belustigt kichern musste.

der mann stellte teelichte auf. nur wenig später dann zwei presswehen ohne pause hintereinander; mit der ersten brachte ich kopf und schultern des babys heraus, mit der zweiten den rest, fruchtwasser plätscherte auf die matratze und zwischen meinen knien lag unser kind. erleichterung, freude, tränen auf den wangen des mannes.

das kleine, blutig-glitschige wesen von der matratze aufheben und dabei mehr versehentlich entdecken, dass es statt dem erwarteten mädchen ein junge ist. erster gedanke: äh..?!; zweiter gedanke: ein junge! mein junge! unser junge!

sein gesicht: geschwollen und zerknautscht aber unfassbar niedlich. diese nase! ihn auf meine brust legen, seinen kopf küssen und liebkosen. ihn begrüßen, seinem leisen gurgeln und fiepen zuhören. vom mann und der hebamme in wärmende decken und handtücher gehüllt werden, etwas zu trinken angereicht bekommen. durch die geöffneten balkontüren weht eine leichte brise lauwarmer sommerabendluft durch unser wohnzimmer.

mit dem kleinen menschen sprechen, ihn streicheln, den mann küssen. das baby quietscht und schnüffelt und versucht, seine geschwollenen augenlider zu öffnen. aus millimeterschmalen schlitzen blinzeln mich dunkle augen an. suchend, fragend, warm. nicht mitkriegen, wie die zeit vergeht, wie der mann und die hebamme im hintergrund die schmutzigen vliesunterlagen wegräumen und die hebamme die geburtsbescheinigung ausfüllt. der mann macht ein paar fotos und beginnt dann, den zuvor angestzten naanteig zu fladen zu backen für meine mitternächtliche stärkung. irgendwann fängt der neue kleine mensch an, auf seiner faust herumzukauen und zu schmatzen. ich lege ihn zum ersten mal zum stillen an. zwischen meinen oberschenkeln pulsiert noch ganz leise die nabelschnur. alles ist wunderbar.

Dienstag, 29. Juni 2010

day one - about 12 hours old.

kind ohne namen, * 26. 6. 2010 um 21 uhr 22 in unserem wohnzimmer. maße: 4000x 50x 37.
(noch namenlos, weil: es ist ein junge. wir hatten ein mädchen erwartet. riesenüberraschung! :)

Samstag, 26. Juni 2010

es hat angefangen. wer ein bisschen dabei sein will, kann das hier tun.

Mittwoch, 23. Juni 2010

kommunikation mit andern bei ET+9.

meine mutter am telefon so: "UND? isses schon unterwegs?!" - und ich so: "stör mich nicht, ich muss pressen, MUTTER!!"

***

der rentner auf seinem elektrofahrrad so: "do drübe isch de fuußwääg!" - und ich so: "UND DA HINTEN IST DER FRIEDHOF!!".

***

ich so, in der apotheke: "rizinusöl!" - und die apothekerin so: "oooookaaaayyyy! yeaaaaaaah!". (und nein, ich habe nicht vor, das demnächst anzuwenden. ist zu früh noch. ich kann schon noch ein bisschen, auch wenn ich nicht mehr will. und so lange es keinen grund gibt, sich um das baby zu sorgen, wartet man auf unserer seite des kinderkrieg- universums auch mal länger als 14 tage, bis man anfängt, von außen nachzuhelfen. ich stell das nur mal auf den nachttisch, so als drohung.)

***

der gynäkologe nach der verkündung des eher frustrierenden untersuchungsergebnisses so: "lassen sie sich für kommenden montag nochmal einen termin geben." - und ich so: "hmpf." - und er so: "bei den damen an der anmeldung liegen auch bonbons aus, nehmen sie sich eins.".




Samstag, 19. Juni 2010

damn.
soeben stelle ich fest, dass meine blog-emailadresse wohl irgendwann ihren dienst quittiert hat - oder mein mailprogramm entschieden hat, mails, die an diese adresse geschickt wurden, einfach nicht mehr an mich weiterzuleiten. ich überfliege 1765 emails aus dem letzten jahr, von denen etwa jede 20ste eine total nette mail von einem meiner leser ist. keine dieser mails hab ich beantwortet, weil ich von keiner dieser mails was mitbekommen habe. angesichts des hohen nettigkeitsgrades ihres inhalts doppelt ärgerlich.
ich habe die mailadresse jetzt einfach geändert; damit sollten mich eure mails zukünftig zuverlässig erreichen. nach und nach werde ich versuchen, die verpassten mails nachträglich zu beantworten.

Freitag, 18. Juni 2010

auf einem blatt papier, das in der küche liegt, will ich seit wochen dinge für die freundin aufschreiben, die zur geburt kommen wird, um sich um max zu kümmern, wenn er es braucht. das einzige, das mir bisher da draufzuschreiben einfiel, ist symptomatischerweise unser w-lan-zugang.

***
die tägliche einkaufsroute, üblicherweise ein kleiner spaziergang ins benachbarte wohnviertel und dort eine kleine runde: bäcker (butterbrezel für den sohn); eventuell post (bestellungen abschicken); spargel- und erdbeerenstand, vorplatz des kulturzentrums (andere mütter treffen, das kind ein paar runden mit den anderen kids spielen lassen); bioladen; bei gutem wetter anschließend noch eine stunde spielplatz. diese einkaufsroute dauerte heute statt der üblichen anderthalb knappe drei stunden. weil jeder schritt weh tut und alle 100 meter die luft knapp wird. stehenbleiben, wehen veratmen, luft holen, weitereiern. drei stunden für eine brezel, ein brot, schwarze pfefferkörner, baklava, eine 5-kilo-melone, 2 sorten käse, espressobohnen, cashewmus und eine halbe stunde begummistiefeltes kinderspiel in leichtem regen zwischen dem sohn und seinem kleinen kumpel. zuhause den kinderwagen samt kind und wassermelone in den keller wuchten und dann kind und einkäufe zwei stockwerke weiter nach oben bugsieren; oben ankommen, rucksack absetzen, wehen veratmen, kind ausziehen, einkäufe verräumen.

***
das entsetzen der (vermutlich kinderlosen) verkäuferinnen und wildfremden anderen frauen, die mir während des einkaufs begegnen: warum um alles in der welt ich denn noch dass haus verließe, IN MEINEM ZUSTAND??!; merkwürdig ungläubiges staunen, wenn ich antworte, das kind wolle schließlich nicht den ganzen tag in der wohnung hocken und irgendwas essen müssten wir ja auch, was ja auch von irgendwem dann herangeschafft werden muss. ob die einen trick kennen, mit dem man ab dem errechneten geburtstermin ohne nahrung und frische luft auskommt?

***
und dann dauert es immer noch einen tag länger und noch einen. abends schwanger einschlafen, nachts bei jedem mal umdrehen schmerzhaft wachwerden, morgens wieder schwanger aufwachen. und täglich grüßt das murmeltier. weiter zeit vertreiben, weiter versuchen, mir mit der warterei nicht selbst auf die nerven zu gehen.

4 days overdue.

Mittwoch, 9. Juni 2010

irgendwann beginnt man zu ahnen, dass aus dieser bizarren vorstellung, demnächst zwei kinder zu haben; zu viert zu sein; mehr als "nur" ein paar mit einem kind zu sein; eine "richtige" familie zu werden, tatsächlich bald realität werden wird. eine wieder neue, wieder andere realität. schmerzende anstregnung und erschöpfung mischt sich mit spannung und vorfreude. auf dem fensterbrett steht unter einer dünnen fahne aus weihrauch ein engel aus jade, während draußen im halbdunkel der ersehnte sommerabendregen die straßen dampfend und die luft würzig macht. alles ist vorbereitet.

guardian angel.

Freitag, 4. Juni 2010

das stadium der schwangerschaft, in dem man sich wünscht, dass während der alltäglichen erledigungen alle 10 meter jemand am bordsteinrand steht und einem erfrischungstücher, kaltgetränke oder einen hocker zum kurz hinsetzen anreicht.