Donnerstag, 14. April 2011

handarbeit.

das mit den fragen scheint eine prima idee gewesen zu sein. kaum hatte ich den artikel verfasst, hatte ich auch gleich fünfsechssieben mails im briefkasten und ebensoviele direct messages bei twitter erhalten. allerliebsten dank für euren zuspruch, das mutmachen und die vielen tollen komplimente. ihr seid so nette leute.

aber zu sache, schätzchens. die erste frage kam nämlich von marylind und geht so:

...ich lese Dein Blog schon eine Weile still und leise mit und habe Dich vor kurzem auch als Ringelmiez entdeckt. Bin sehr angetan von den schönen Dingen, die Du zauberst und auch von Deiner Art, darüber zu schreiben. Als Frage daher: Wie bist Du zur Handarbeit gekommen? Wie vereinst Du das mit Deiner Familie, so dass niemand zu kurz kommt, Du aber trotzdem noch genügend Zeit für aufwändige Projekte wie z.B. die Quilts hast?


mio, mein mio.

"zur handarbeit gekommen" bin ich in dem sinne eigentlich nie. die war einfach immer da. meine oma hatte ein nähzimmer im stil der 50er jahre, so eins, wo die nähmaschine und alle schubladen und aufbewahrungsmöglichkeiten für all das zubehör in eine schrankwand eingebaut waren und zum nähen dann so gogo- gadgetto- mäßig herausgezogen, ineinandergeschoben, aufgeklappt und mittels irgendwelcher steckverbindungenaufgebaut wurden. sie hatte eine große knopfkiste, in der ich liebend gern stundenlang wühlte und klimperte und sie brachte mir, da war ich etwa 5, bei, wie eine nähmaschine funktioniert und was man damit alles machen kann. zuhause bei meiner mutter gab es leider keine nähmaschine und meine oma wohnte über 500 kilometer weit weg. also brachte ich mir zuhause das nähen von hand bei und puzzelte irgendwelche kleinen täschchen und hüllen zusammen. bei meiner oma durfte ich dann in den ferien immer assistieren und mir mit ihrer hilfe einkaufsbeutelchen und taschentücher- täschchen an der maschine nähen.

cathedral window pillow.

meine mutter konnte nie stricken, hat aber früher viel gehäkelt. ich erinnere mich an gehäkelte mützen mit farblich abgesetzten schrägstreifen, fransenstolen (stolas?) und bunte schlangen aus wollresten, die mit watte gefüllt als luftzugstopper dienten. oh, und an ein gehäkeltes regenbogenkleid.

from norway with love.

und dann war da noch "textiles werken" in der grundschule, eins meiner lieblingsfächer. da habe ich rechte und linke machen stricken gelernt. allen weiteren strickkram habe ich mir während der studienzeit selbst beigebracht, als ich irgendeine beschäftigung für all die überflüssigen sitzscheine, ergo für vorlesungen in politikwissenschaften, theologie, jura, und psychologie brauchte.

in all diesen dingen, auch im malen und zeichnen, konnte ich immer schon eine besondere art der ruhe finden. etwas mit meinen händen zu machen war und ist eine art von seelennahrung für mich. ich kann nicht ohne. ich werde unglücklich, wenn ich länger als 2 tage keinen stoff oder keine wolle zwischen den fingern habe.

hawthorne.

wie ich das mit meiner familie vereine, darüber habe ich hier (ganz unten) mal ausführlicher geschrieben. wenn ich das so lese, versteh ich manchmal selbst nicht so ganz, wie ich in all diesen kleinen zeithäppchen dann doch so relativ viel geschafft kriege. aber es geht irgendwie doch ganz gut und oft fällt den kindern dabei, glaube ich, gar nicht auf, dass das arbeit ist, was ich da gerade mache. viele arbeitsschritte lassen sich auch prima mit kinderspiel verbinden. wenn ich zum beispiel ein quilt layout an der design wall probestecke, bekommt der große sohn auch immer ein paar stoffreste und ein paar nadeln ab und spielt meine arbeit nach. bindings von hand nähen oder puppenkleidung stricken geht wunderbar, während ich den jungs bücher vorlese. trotzdem bin ich gespannt, wie viel ich vielleicht mehr schaffen kann, wenn beide jungs im kindergarten sind und ich freie vormittage habe. bis es soweit ist, dauerts aber noch ein weilchen. diess jahr kommt erstmal der große in den kindergarten und bis es beim kleinen so weit ist, werde ich es genießen, ihn noch zuhause betüdeln zu können.