Dienstag, 5. Oktober 2010

essen ist eine politische handlung.

eine kleine internet- geschichte, wie ich sie liebe: ich stolpere über einen artikel in der zeit, der von wam kat erzählt - einem gebürtigen holländer, der seinen unterhalt damit verdient, demonstranten zu bekochen. er kocht vegan und ausschließlich mit bio- zutaten, weil er diese art der ernährung für die gesundheitlich und vor allem politisch gescheiteste hält. ein zitat aus diesem text bleibt mir besonders in erinnerung: "essen ist eine politische handlung". das ist in etwa die essenz eines ganz zentralen aspekts, den ich seit jahren in meinem einkaufs- und essverhalten zu beherzigen versuche. und gleichzeitig etwas, das bei vielen immer noch auf unverständiges kopfschütteln stößt und mit dem ich mich regelmäßig in hitzige gespräche manövriere. etwas, das man daher, finde ich, in die welt tragen und diskutieren sollte, als floh in viele ohren und als gedanken in viele köpfe setzen sollte. dieser spruch auf einem t-shirt, das wär's. dacht' ich und postete es auf facebook.
heute abend bekam ich daraufhin eine facebook- mail von wam höchstpersönlich. er hätte auch gern so ein shirt, schrieb er, wir unterhielten uns ein bisschen. em ende des gesprächs hatte ich bereits den plan gefasst, morgen in der stadt eben solche shirts für wam, ramona und mich drucken zu lassen, da kam till mit der idee um die ecke, doch einfach, er hätte nämlich auch interesse an so einem shirt, einen spreadshop daraus zu machen. hab ich gemacht. denn je mehr leute so ein shirt kaufen können, desto besser. hier, bitteschön:


alle produkte außer den damen- übergrößen- shirts sind aus bio- baumwolle; die farbe des shirts ist frei wählbar. die provision der verkauften produkte werde ich natürlich nicht selbst behalten. ob ich sie direkt an wam oder an ein projekt o. ä. seiner wahl weiterleite, besprechen wir derzeit noch.

Freitag, 1. Oktober 2010

Mittwoch, 29. September 2010

foodcontent (schnauzevollvonrömischenzahlen).

wer mein "365-days in what i eat"- projekt verfolgt, hat sicher schon festgestellt, dass es bei uns ziemlich häufig etwas gibt, was wir naanbrot nennen. ich umschreibe das so, weil unser naanbrot mit dem echten zwar einige dinge gemein hat, aber trotzdem was ganz anderes ist.
echtes naanbrot ist ein ca. 0,5 bis 1 cm dünner, über offener flamme gebackener fladen aus meist mit joghurt gesäuertem teig; das fertig gebackene brot wird mit oft garam masala bestreut. kann ich (bis auf die offene flamme) auch, sieht dann so aus:

naan.

- eignet sich gut, um damit suppen zu löffeln und schmeckt hervorragend, solange es ganz frisch gegessen wird. danach wird es leider recht schnell pappig.

in unser naanbrot werden die gewürze im ganzen im brot eingebacken, sie sind dicker, werden vor dem backen außen nochmal mit joghurt bestrichen und schmecken auch am nächsten tag noch zum frühstück gut (der mann: mit honig; ich: mit avocado). außerdem sind sie mit dips und vielleicht einem salat dazu eher als eigenständige hauptmahlzeit geeignet, denn als beilage.

naanbrot fällt bei uns in die gleiche soulfood- kategorie wie backgemüse. es wärmt von innen, wenn es draußen seit tagen nur regnet, es kräftigt, wenn man sich krank fühlt. und trotz jeder noch so drückenden melancholie gibt so ein dampfend heißes, knuspriges stück naanbrot mit einem großen klecks hüttenkäse einem die zuversicht, dass die welt doch irgendwie auch gut ist, solange man nur naanbrot backen kann.

[365-230] lunch.

ich verrate euch mal was: mit naanbrot habe ich den mann geködert. an einem verregneten, dunklen herbstabend nötigte ich ihm, er war schon auf dem sprung zur straßenbahn, einen biss in einen frisch gebackenen fladen ab - und kaum ein jahr später kam unser erster gemeinsamer sohn zur welt. so kann's gehen, wenn man nur das richtige brotrezept kennt.
heute hat naanbrot einen festen platz in den top 5 unserer lieblingsessen. auch der große sohn mümmelt kaum ein brot so genüsslich weg wie naanbrot - sogar mit rinde und ganz ohne belag!

am liebsten essen wir naanbrot ofenheiß mit mindestens zwei dips: mit zitronensaft, salz und pfeffer angemachter hüttenkäse ist immer dabei; außerdem entweder meine version von hummus (rezept enthalten im backgemüse- posting), oder ein schweineleckerer rote-linsen-dip. das rezept für diesen und das fürs naanbrot verrate ich euch heute (endlich mal).

für 4 fladen naan- brot braucht man:

- je 1 el koriander-, fenchel-, und kreuzkümmelsamen
- 3 el sesamsamen
- 4 el ghee
- 250g mehl
- 1/2 tl backpulver
- 1 ei
- 4el joghurt (3,5%)
- 3 tl trockenhefe
- 1/2 tl salz
- 2 tl zucker

1. die gewürze mit dem sesam in einer unbeschichteten pfanne ohne fett kurz anrösten, bis die zu duften beginnen und der sesam leicht gebräunt ist.



2. das ghee schmelzen lassen. das mehl mit dem backpulver mischen. das ei verquirlen und mit dem ghee, der mehlmischung und allen übrigen zutaten einige minuten lang zu einem glatten teig verkneten. wenn er zu klebrig ist, noch etwas mehl hinzugeben. zugedeckt an einem warmen ort 2 stunden gehen lassen. (in dieser zeit kann man den linsendip vorbereiten.)



3. aus dem aufgegangenen teig vier ca. 1cm dicke fladen formen (wie man hier sieht: wir machen immer die doppelte menge), auf ein mit backpapier ausgelegtes blech legen und weitere 10 minuten ruhen lassen. den backofen auf 200°C (umluft 180°C) vorheizen. die brote auf der oberseite dünn mit joghurt bestreichen. im heißen ofen auf mittlerer schiene ca. 7 minuten backen, dann wenden, auf der anderen seite mit joghurt bestreichen und nochmal ca. 5- 7 minuten backen, bis sie goldbraun sind. ofenwarm servieren.

[365-259] lunch.

für den linsendip braucht man:

- 120g rote linsen
- 30 g rundkornreis
- 1/2 l gemüsebrühe
- 2 schalotten
- 1 tl koriandersamen
- 1 mittelgroße rote paprikaschote
- 2 el olivenöl
- saft von 1 zitrone
- 1 tl getrocknete minze
- 1 prise gemahlener piment
- salz, pfeffer

1. die linsen unter fließendem wasser abspülen, dann zusammen mit dem reis in der gemüsebrühe aufkochen. die schalotten schälen, fein würfeln und unterrühren. alles zugedeckt bei schwacher hitze ca. 10 minuten leise kochen lassen. koriandersamen im mörser zerstoßen, hinzugeben und weitere 5 minuten köcheln. vom herd nehmen und abkühlen lassen.

2. die paprikaschote waschen, putzen und in sehr kleine würfel schneiden.

3. olivenöl und zitronensaft zu den linsen geben und alles mit dem pürierstab pürieren. mit minze, piment, salz (vorsichtig! meist ist der dip durch die gemüsebrühe schon recht gut gesalzen) und pfeffer abschmecken. drei viertel der paprikawürfel unter das linsenpüree heben. den dip dann in ein schüsselchen füllen und die restlichen paprikawürfeln darübergeben.

guten appettit!

[365-193] lunch.

Sonntag, 26. September 2010

den kleinen trage ich, den großen schiebe ich unter graudüsterwolkenverhangenem himmel durch feuchten herbstwind. wenn der große sich zu mir umdreht, um mir zu erzählen, was er so alles sieht (vögel! krähen! auto! hund! baum!) muss er seine augen mit flatternden lidern vor dem wind schützen; all diese mama-kind-unterhaltungen müssen rufenderweise geführt werden. zwischen brezelstücke abbrechen und trinkflasche anreichen lächeln wir uns an, wir haben beide spaß an diesem radauwetter. bei der nächsten windböe die arme ausbreiten, sich den anorak aufblähen lassen, freudig jauchzen. pfützenspringen (scheiß auf undichte gummistiefel und nasse socken!). im wald wird er vom kinderwagenkind zum abenteuerlustigen jungen. durch den wald rennen und mit dem wind die bäume anheulen, ausrasten, auspowern, spaß haben, rennen, kreischen, lachen, energie loswerden.
satte umarmungen zu dritt, pralle küsse auf herbstkühle kinderwangen. leben, lieben, lachen.

Donnerstag, 23. September 2010

wie schule sein kann.

"also, ich wäre tief beunruhigt, wenn in dieser klasse (...) funktionierende kinder wären, also lauter so kinder, die einfach immer funktionieren. das sind keine leute, mit denen man die welt verändern kann, mit denen man mal irgendwas auf die beine stellen kann."

in der mediathek des br- online gibt es derzeit den ersten teil einer dreiteiligen dokumentation über die ersten acht jahre waldorfschule zu sehen. der film heißt "guten morgen, liebe kinder" und ist derzeit in der rubrik "meistgesehen" zu finden (direkt verlinken geht scheinbar leider nicht).

Donnerstag, 9. September 2010

dieser eine gedanke, der immer und immer wiederkehrt und jedes mal wieder die selbe frage aufwirft. man hat ihn in den letzten wochen so oft schon freundlich gebeten, so in einem jahr nochmal vorbezuschauen und einen bis dahin bitte erstmal in ruhe zu lassen. aber es nützt nichts. gleitet durch die tür, tritt sich vorher die schuhe nicht ab, macht auf dem weg zum sofa fußspuren aufs parkett und sitzt sich dort dann erstmal ein paar stunden genüsslich grinsend den hintern platt. und verschwindet nie, ohne einen überzeugten fingerzeig in richtung esstisch.
ob da wohl noch ein platz unbesetzt ist, ob da noch wer fehlt? steht da noch ein name zu wenig am briefkasten, ist da eine weitere babydecke noch ungestrickt?
growing so fast.

Mittwoch, 1. September 2010

Sonntag, 29. August 2010

foodcontent (xlviv).

lange, sehr lange ist er her, der letzte food content. und was habe ich in der zwischenzeit nicht alles versprochen, zu ver-foodbloggen: mein rezept für die ultimative bolognese, rezepte für naanbrot, bagels und sesamkringel, kässpätzlegeheimnisse (und bestimmt noch mehr). ich hol das alles ganz bestimmt noch nach, aber kopf und hände sind gerade sehr voll mit dingen anderer art, so dass es vielleicht noch etwas dauern wird, bis ich wieder mehr zeit finde, um übers essen zu bloggen. oder überhaupt zu bloggen.

ich hoffe, die werte leserschaft bis dahin mit diesem knaller- rezept vertrösten zu können:

zucchini- pizza


diese pizza ist tatsächlich die beste, die ich je gegessen habe. ich war nie in einem erstklassigen italienischen restaurant und kenne nur tiefkühl-, liefer- und selbstgemachte pizzen und solche zum mitnehmen aus italienischen 0815- restaurants, die sich von lieferpizzen kaum unterscheiden: labberig, fettig und mit so viel "käse" (vgl.: "gastro-block"; "veganer- block"; analog- käse) obendrauf, dass man von den übrigen zutaten kaum mehr etwas schmeckt.
tiefkühlpizzen schmecken für mich meistens irgendwie chemisch- seifig und oft tropft das fett davon nur so herunter, wenn man sie etwas schräg hält.
und selbstgemachte pizzen enden unter dem belege- enthusiasmus des pizzabäckers meist als eine art auflauf mit teigboden und ebenso zuviel käse auch nicht so lecker. (ich habe ohnehin schon öfter gelesen, dass auf echte pizza sowieso kein käse obendraufkommt, und schon gar keine geriebener emmentaler oder sowas. in echt nimmt man wohl mozzarella und der kommt untendrunter, auf die tomatensoße und unter den restlichen belag. heißt es.)

nichts desto trotz umtreibt mich seit einiger zeit ein gewisser ehrgeiz, eine richtig gute pizza zu hause hinzubekommen. und nach ein paar angestrengten versuchen habe ich das dann ebenso plötzlich wie zufällig tatsächlich geschafft. ich habe dafür außer ein paar planlos zusammengesuchten zutaten noch ein dauerquäkendes neugeborenes, schlechte laune und eine völlig zerschossene zeitplanung gebraucht. seither habe ich die pizza aber zweimal kontroll- gebacken und festgestellt, dass dies keine unbedingt notwendigen rahmenbedingungen sind.

grundlage für die pizza ist jamie olivers rezept für pizzateig, wobei ich es noch nie mit semolina tipo 00 gemachte habe, sondern immer mit einer etwa gedrittelten mischung aus weizenmehl 405, 550 und 1050, und ich habe das ergebnis unter der fertigen pizza trotzdem als ziemlich perfekt empfunden (aber wie gesagt: ich weiß es auch nicht besser). ich mache immer die volle 1kg- menge. für ein blech der zuchhini- pizza braucht man davon weniger als die hälfte; was übrig bleibt friere ich fürs nächste mal ein oder mache pizzabrötchen draus, die wir dann mit kräuterbutter und tomatensalat als abendbrot essen.



für die tomatensoße nehme ich
1 große dose ganze tomaten
2-3 EL dreifach konzentriertes tomatenmark
1 zwiebel
1 knoblauchzehe
einige zweige frischen thymian
salz
pfeffer
1/8 l rotwein

zwiebel und knoblauch würfeln und zusammen mit den abgezogenen thymianblättchen in einem ordentlichen schuss olivenöl andünsten. das tomatenmark dazugeben und kurz mitrösten, mit rotwein ablöschen und die tomaten samt -saft dazugeben. die tomaten mit der gabel in grobe stücke teilen und das ganze 10- 15 minuten köcheln lassen. mit dem pürierstab zu einer einigermaßen homogenen soße zerkleinern (ich mache das immer in direkt in der pfanne; wenn man die hand nah über den pürierstab hält, hält sich die sauerei in grenzen) und noch weitere 10- 15 minuten köcheln lassen. mit salz und pfeffer abschmecken.


für den pizza- belag braucht man vor dem backen:
250 g (büffel-) mozzarella
100 g steinchampignons
jeweils in nicht zu dünne scheiben geschnitten

den backofen auf 230°C (umluft) vorheizen. ein backblech mit olivenöl auspinseln und etwas weniger als die hälfte des pizzateigs auf der bemehlten arbeitsfläche ca. 6 mm dünn ausrollen, so, dass er etwas größer ist, als das backblech. das backblech direkt daneben stellen und den teiglappen beherzt, aber vorsichtig (damit er nicht reißt) auf das backblech bugsieren, in ecken und kanten festdrücken und den überstehenden teig abschneiden. den restlichen teig in frischhaltefolie einfrieren. die tomatensoße gleichmäßig, nicht zu dick und bis ganz an den rand auf dem teig streichen (es wird etwa 1/3 der tomatensoße übrigbleiben). darauf den mozzarella und die pilze verteilen. die pizza für 15- 20 minuten im ofen backen (der rand sollte knusprig und leicht gebräunt ausshen, der mozzarella etwas schmelzen und hier und da bläschen werfen - aber auf jedenfall hell und weich bleiben und nicht bräunlich einbrutzeln).

während die pizza backt, für den pizza- belag nach dem backen vorbereiten:

2 zucchini, mit dem sparschäler in dünne streifen geschnitten
ca. 100 g etwas festeren, krümelfähigen ziegenfrischkäse
eine handvoll basilikumblätter, grob zerzupft
schwarze, entsteinte oliven guter qualität und am besten ohne knoblauch in olivenöl eingelegt - grob gehackt
salz und pfeffer aus der mühle
flüssigen honig
sonnenblumenkerne

die fertig gebackene pizza zügig belegen: erst den käse einigermaßen gleichmäßig darauf zerkrümeln, dann die zucchinistreifen verteilen (das wird zunächst nach sehr viel zucchini aussehen, aber das passt schon so). dann den basilikum, die olivenstücke und die sonnenblumenkerne drüber werfen, ca. 2 EL des honigs daraufträufeln und mit salz und pfeffer übermahlen. in stücke schneiden und servieren. durch die hitze der pizza fallen die zucchinistreifen ganz leicht zusammen, bleiben aber schön frisch und knackig.

ich wünsche guten appettit!

Montag, 23. August 2010

Samstag, 21. August 2010

immer noch vegetarisch mit deutlicher tendenz zum veganismus.

hartgekochte sonntagsfrühstückseier gehen nun auch nicht mehr; eier in kuchen oder naanbrot sind weiterhin okay. butter aufs brot geht nicht mehr, meine geliebte regelmäßig spätabends genossene scheibe ofenwarmen brotes mit butter und salz, es geht irgendwie einfach nicht mehr und ich möchte fast flennen deswegen. in butter gebratenes ist so 'naja', in ghee gebratenes ist mir schon lieber.
das fast allmorgendlich genossene müesli mit milch macht nur selten probleme. wenn, dann verursacht der die vorstellung, milch zu trinken, ein schleimiges gefühl im hals (nicht ganz so schlimm wie bei der vorstellung, schokolade zu essen) und dann esse ich wassermelone oder knäckebrot mit avocado.
gestern das eigentlich vegane curry mit sehr viel joghurt strecken müssen, weil es zu scharf war. hinterher war mir nachhaltig bis spät abends übel; ich weiß nicht, ob von zu viel schärfe oder zu viel joghurt.
bisher keine probleme mit hüttenkäse, zum glück. wenn das auch noch irgendwann...ich will gar nicht dran denken.

heute bereits um kurz nach acht auf dem münstermarkt gewesen, das gefühl gehabt, meine sinne reichen gar nicht aus, um die unglaubliche fülle an spätsommerlichem obst- und- gemüse- angebot vollständig wahrnehmen zu können. bergeweise zucchini, die ersten kürbisse, dicke büschel kräuter, prall gefüllte kartoffelkörbe, unendliche marktstandmeter mit beeren und zwetschgen, eine riesige auswahl frischer pilze, tomaten und paprika und gurken aller formen, farben und größen, unbegreifliche fülle. seit 10 jahren kaufe ich mindestens einmal in der woche auf dem münstermarkt ein und jedes jahr aufs neue treibt mir das angebot in dieser jahreszeit fast, jaja, ich weiß schon wie das klingt, die tränen in die augen. aber wenn's halt so ist.

hätte am liebsten alles, alles, alles gekauft; tatsächlich mitgenommen haben wir ein kilo der allerletzten sauerkirschen, ein kilo zwetschgen, ein halbes pfund himbeeren, ein pfund erdbeeren, vier pfirsiche, ein knappes pfund pilze (drei sorten), ein kilo äpfel. und natürlich wassermelone vom türken, bananen aus dem bio- supermarkt. ein für diesen sommer sehr typischer markteinkauf, spätestens dienstag wird von alldem nichts mehr übrig sein.

dann teilen wir uns interessenbedingt für eine dreiviertelstunde auf; als wir uns zum gemeinsamen nachhausefahren wiedertreffen, habe ich ersatz für meine gebrochenen sockenstricknadeln in der tasche, ein bilderbuch für den großen sohn und, endlich, "tiere essen" von jonathan foer. der mann hat sich 300 gramm entrecôte beim biometzger gekauft, das will er sich, nachdem er nun fast 2 monate lang sehnsüchtig jeder fleischigen durftfahne hinterherschnüffelte, morgen auf den grill werfen.

ich weiß nicht welches bisschen schiss größer ist: das vor der lektüre des neuen buchs oder das davor, dem mann beim fleischessen zuzusehen.
immer noch keine ahnung, was das alles soll, immer noch nachhaltige verwirrung.

Freitag, 20. August 2010

ich kann den herbst kaum erwarten. warme farben, kastanien, kürbisse. nebelfeuchte morgenstunden, wärmende suppen. oh, wie lange noch, wie lange noch?

Mittwoch, 4. August 2010

mein körper macht merkwürdige dinge. seit etwa einer woche vor der geburt des zweiten sohnes möchte er kein fleisch mehr haben. anfangs hat es mich irritiert, jedesmal, wenn ich überlegte, was ich kochen will festzustellen, dass mich der gedanke daran, fleisch zu schneiden, zuzubereiten, zu essen, abstößt. mittlerweile denke ich bei der essensplanug wie selbstverständlich fleischlos.
nun fängt es langsam an, sich auszuweiten. milch, butter und joghurt gehen noch ganz gut, eier und käse auch, solange sie unsichtbar im essen verschwinden. käse aufs brot geht gar nicht mehr und die beiden flaschen sahne im kühlschrank blicken mich mit jedem tag, der sie näher an ihr verfallsdatum bringt, hilfloser an. den geburtstagskuchen für den mann - schweizer kirschwähe mit eier-crème fraîche- guss - konnte ich nach einem kleinen probier- stückchen nicht mal mehr riechen, geschweige denn ein weiteres stück davn essen. auch meine lust auf schokolade hat seit der geburt deutlich nachgelassen; wenn ich überhaupt welche esse, dann meist aus sehr plötzlichem stillhunger heraus. da aber meistens eh keine schokolade da ist, futtere ich zwischendurch alle möglichen sorten nüsse; auch fast jedes zweite mittagessen und unser selbstgebackenes brot enthält entweder cashews, walnüsse, sonnenblumenkerne oder sesam. sehr erstaunlich, wie geschickt die natur den apettit so lenken kann, dass man von ganz allein zu den lebensmitteln greift, deren inhaltsstoffe ersetzen, was man durch den nicht- verzehr von anderen lebensmitteln nicht zu sich nimmt.
vegetarisch oder vegan zu leben, bereitet mir keinerlei probleme; es ging ja schonmal anderthalb jahre lang sehr gut und vor allem nachhaltig bereichernd ganz ohne tierische produkte im essen. nur beginnt es diesmal ganz von selbst, ohne rationale planung meinerseits. es passiert einfach, intuitiv, von irgendwo ganz tief unten her, ohne dass ich das gefühl habe, einfluss nehmen zu können. merkwürdig. ich bin gespannt, wo das hinführt, wie lange das noch weitergeht und ob sich irgendwann eine erklärung dafür offenbaren wird. interessant wäre herauszufinden, ob der kleine sohn möglicherweise irgendeine art von unverträglichkeit hat, deretwegen es sinn machen würde, dass ich auf fleisch verzichte, damit er die entsprechenden unverträglichen substanzen nicht über die muttermilch durch mich aufnimmt. abwarten.

Freitag, 30. Juli 2010

baby present for kolja.


[artwork by jademond.]

Dienstag, 27. Juli 2010

die ganze zeit denkt man so: das ist ja alles viel einfacher als gedacht mit zwei kindern, und das, was nicht so einfach ist, das wird sich ja sicher auch noch irgendwie ergeben. es macht viel spaß alles, es ist anstrengend, aber es gibt so viel neues zu gucken, zu entdecken, zu erfahren, zu freuen, und sogar zum arbeiten komme ich zwischendurch auch ab und zu noch.
und erst auf den zweiten blick stellt man fest, wie viel dann doch liegenbleibt, zu kurz kommt. das bloggen, e-mails beantworten, schlafen, essen, für sich selbst sein. im kopf tausend tolle sachen, die ich mit den und für die kinder machen will; heute, nächste woche, in ein paar monaten, in einigen jahren. lauter überlegungen, was ihnen vielleicht gefallen könnte, was einfach schön wäre für sie zu tun. drachen basteln und steigen lassen, steine, kastanien, bucheckern sammeln. bei der krötenwanderung helfen gehen, ihnen dieses und jenes kleidungsstück stricken, eine spiellandschaft nähen. ihnen im winter wärmflaschen in die lammfellfußsäcke legen, wenn wir bei minusgraden rauswollen. tausend gesten der fürsorglichkeit; vorfreude darauf, spaß daran.
zwischendurch kurz die überlegung, ob ich über all das mamasein vielleicht ein bisschen vergessen habe, wer ich bin. oder ob es jetzt eben das ist, was ich bin.

Donnerstag, 22. Juli 2010

wo ja immer alle über die dhl und insbesondere ihre zusteller lästern, muss ich an dieser stelle mal eine lanze brechen für unseren neuen zusteller. nach dem einen, der im lieferwagen immer rauchte und demzufolge immer nach aschenbecher stinkende pakete ablieferte, und dem anderen, der immer dreivierfünfmal klingelte und, hatte man es nicht innerhalb der folgenden zweieinhalb sekunden zur tür geschafft, sturm zu klingeln begann, haben wir nämlich jetzt einen zusteller, der total super ist.
während ich noch schwanger war und er mich einzwei male nicht angetroffen hatte, fragte er, wann ich denn gewöhnlich vormittags das haus verließe und wann ich in der regel wieder zurück sei - damit er nach möglichkeit dann kommt, wenn ich da bin. damit ich mit dem schweren bauch nicht auch noch zur post latschen muss. da war ich im positivsten sinne schon sehr perplex. heute früh klingelte er dann; ich hatte den großen sohn auf der hüfte sitzen und den kleinen sohn auf der anderen seite über der schulter hängen; öffnete die tür mit dem ellbogen und wusste kurz nicht, welches kind ich jetzt wo ablegen oder -setzen sollte, um das paket annehmen und auf dem elektroknochen unterschreiben zu können. da winkt der dhl- bote ab, drückt das päckchen dem großen sohn in die hand und sagt: "ach, lassen sie, ich kann auch unterschreiben"; sprachs, lächelte und düste irgendwas auf den touchscreen kritzelnd wieder ab.
fand ich super. wenn der in der weihnachtszeit immer noch unsere route bedient, kriegt er eine tüte kekse.

Montag, 12. Juli 2010

quotable (lxiv).

"Und wieder muss ich lachen, weil da wieder jemand dachte, dass er mich kennt. Wie einfach das wäre. Wie nah. Wie unmöglich."

[lisa über das (vermeintlich öffentliche) leben im internet.]

Freitag, 9. Juli 2010

dankeschön möchte ich noch sagen für all die tollen twitter-replies, mails und geschenke, die mich und uns in den letzten 2 wochen erreicht haben. insgesamt sind das viel, viel zu viele raktionen auf mein geburts- getwitter und glückwünsche zu unserem zweiten sohn, als dass ich jede einzelne davon beantworten könnte (beim 204. @reply und der 14. mail habe ich aufgehört zu zählen). ich habe mich aber über jede einzelne nachricht sehr gefreut und sie sehr gerne gelesen. ihr seid toll, danke. gesondert und ganz besonders bedanken möchte ich mich bei anke, die mir zur geburt ein strickbuch von meinem amazon-wunschzettel schenkte; bei sue, von der der kleine sohn ein schnuffelpüppchen und ich eine flasche lavendelöl bekam (lavendel! weleda!!); bei madame rakete, die dem sohn ein lieder- und geschichtenbuch spendierte und natürlich bei caro und r. für das dabeisein in den letzten wochen, für eine lavendelpflanze und ein lustiges babydings, für brustwarzensalbe und wassermelone, ein tolles buch für max und einen großen berg wochenbettverpflegung. ihr seid so toll, alle und ich stehe wieder mal im positivsten sinne fassungslos da und staune darüber, wie gut alles geworden ist.

gesuch.

falls jemand ein babybay günstig abzugeben hat oder für einige monate verleihen kann, würde ich mich über eine entsprechende mail [ellahartmann bei googlemail punkt com] freuen.

babybay gefunden, dankesehr :)

Freitag, 2. Juli 2010

wie es war (ii).

beschlossen, keinen ausführlichen geburtsbericht zu bloggen.

ich habe den geburtsverlauf ohnehin bis kurz vor einsetzen der austreibungsphase live getwittert und und fotos von der geburt geflickrt; es war schön, so viel zu von diesem besonderen tag zu teilen. mein kind wurde geboren und ihr wart dabei; ihr menschen aus diesem merkwürdigen internet, ihr fremden, ihr freunde, die ich noch nie persönlich getroffen habe, ihr anonymen geschenke-schicker, ihr inspirierer. es war eine schöne möglichkeit, einen weiteren höhepunkt dieses merkwürdigen lebens, das ihr hier seit jahren schon mitlest, mit euch zu teilen und zu feiern. danke, dass ihr dabei wart.
der minutengenaue ablauf und irgendwelche zahlen darüber, wie weit der muttermund zu welcher uhrzeit geöffnet war - wen interessiert das denn bitte. in meiner erinnerung spielen andere momente die deutlich größere rolle.

für den schmerzhaften teil der geburt, insbesondere für die presswehen (die ich auch diesmal vollkommen unbetäubt erleben durfte, denn bei einer hausgeburt ist natürlich keine pda oder betäubung anderer art möglich) gilt, was ich schon nach der geburt des größeren sohns schrieb, und nach der geburt des kleinen sohns dann in diese empörten worte fasste: die körperliche erinnerung an diese unfassbaren, apokalyptischen schmerzen, die körperlich nachvollziehbare reproduzierbarkeit des gefühls, einen kleinen menschen aus sich herauszupressen, war bereits wenige minuten nach der geburt verblasst. sauerei. wo ich mir doch diesmal fest vorgenommen hatte, mir den schmerz diesmal besonders gut zu merken, um der versuchung, ein drittes kind zu bekommen, mit dem wissen entgehen zu können, dass ich DAS ganz sicher nicht nochmal durchleben will.

kaum ein paar momente zuvor kniete ich noch fluchend auf der matratze, die unterarme auf einen stuhl gestützt. bei jeder presswehe gab ich ein irrsinnig tiefes und - wie ich dachte - lautes, animalisches knurren von mir; eines von der sorte wie man es aus exorzismus- filmen kennt. es hätte mich nicht gewundert, wenn ich irgendwann angefangen hätte, dämonische verse in irgendeiner uralten biblischen sprache auszuspucken. dieses knurren: ein geräusch, dass man definitiv nicht nachahmen kann, wenn man keine presswehen hat. ein ausdruck ungeheurer kraft, und trotzdem jagte es mir ein wenig angst ein, dass solche geräusche aus mir rauskommen. ein knurren, über das der mann zu meiner großen verblüffung später sagte: "das war ein sehr schönes geräusch" und von dem die nachbarn rein gar nichts mitbekommen hatten; sie reagierten sehr überrascht auf die nachricht, dass das kind jetzt da sei. unter jeder wehe rannte mir der schweiß nur so übers gesicht; in jeder wehenpause hing ich vollkommen fertig und fluchend über dem stuhl.

irgendwann dieser absurde moment, als der kopf des babys schon zu sehen und zu tasten war; als es selbigen bewegte, mich damit kitzelte und ich belustigt kichern musste.

der mann stellte teelichte auf. nur wenig später dann zwei presswehen ohne pause hintereinander; mit der ersten brachte ich kopf und schultern des babys heraus, mit der zweiten den rest, fruchtwasser plätscherte auf die matratze und zwischen meinen knien lag unser kind. erleichterung, freude, tränen auf den wangen des mannes.

das kleine, blutig-glitschige wesen von der matratze aufheben und dabei mehr versehentlich entdecken, dass es statt dem erwarteten mädchen ein junge ist. erster gedanke: äh..?!; zweiter gedanke: ein junge! mein junge! unser junge!

sein gesicht: geschwollen und zerknautscht aber unfassbar niedlich. diese nase! ihn auf meine brust legen, seinen kopf küssen und liebkosen. ihn begrüßen, seinem leisen gurgeln und fiepen zuhören. vom mann und der hebamme in wärmende decken und handtücher gehüllt werden, etwas zu trinken angereicht bekommen. durch die geöffneten balkontüren weht eine leichte brise lauwarmer sommerabendluft durch unser wohnzimmer.

mit dem kleinen menschen sprechen, ihn streicheln, den mann küssen. das baby quietscht und schnüffelt und versucht, seine geschwollenen augenlider zu öffnen. aus millimeterschmalen schlitzen blinzeln mich dunkle augen an. suchend, fragend, warm. nicht mitkriegen, wie die zeit vergeht, wie der mann und die hebamme im hintergrund die schmutzigen vliesunterlagen wegräumen und die hebamme die geburtsbescheinigung ausfüllt. der mann macht ein paar fotos und beginnt dann, den zuvor angestzten naanteig zu fladen zu backen für meine mitternächtliche stärkung. irgendwann fängt der neue kleine mensch an, auf seiner faust herumzukauen und zu schmatzen. ich lege ihn zum ersten mal zum stillen an. zwischen meinen oberschenkeln pulsiert noch ganz leise die nabelschnur. alles ist wunderbar.