zugenommen oder abgenommen?
zugenommen. und zwar nicht zu knapp: im mittel etwa 1 kilo pro monat. tendenz weiterhin steigend. das heißt, dass etwas nicht in ordnung ist, und das ist zumindest in gesundheitlicher hinsicht keine gute startvoraussetzung für 2012.
mehr geld gehabt oder weniger?
etwas mehr.
mehr ausgegeben oder weniger?
ehrlich gesagt: keine ahnung. auf jeden fall noch ein bisschen sorgloser und, vor allem für andere menschen, noch ein bisschen großzügiger als im jahr zuvor. von daher vermutlich eher mehr.
der hirnrissigste plan?
dieses neue ich, dass ich nun nach zwei schwangerschaften und mit zwei kindern geworden bin, kennenlernen und mich mit ihm anfreunden. hat nicht so gut geklappt, war wieder zu viel damit beschäftigt, mutter von zwei jungs zu sein und nicht zu wissen, ob ich noch ein drittes mal schwanger werden will.
die gefährlichste unternehmung?
all die körperlichen warnzeichen, die ich so gut kenne, ignorieren, verdrängen, und trotzdem weitermachen. nicht zum arzt gehen, kein blutbild machen lassen. plötzlich auf dem küchenboden wieder aufwachen. wochenlang jeden morgen nach dem aufstehen als erstes eine ibuprofen einwerfen. alle guten ratschläge in den wind schießen, auf alle besorgten nachfragen veharmlosend antworten.
die teuerste anschaffung?
die mitgliedschaft und der jahresbeitrag für die garten coop.
das leckerste essen?
diverse ottolenghi- gerichte.
das beeindruckendste buch?
von den wenigen, die ich zuende gelesen bekam: das labyrinth der träumenden bücher.
die beste cd?
born ruffians. zwar nicht von 2011, aber was soll's.
das schönste konzert?
mexican elvis bei caros geburtstag im teng. am allerschönsten daran: r.s interpetation von "sweet caroline". großes hach.
die meiste zeit verbracht mit?
den kindern.
die schönste zeit verbracht mit?
ungefähr auf gleicher höhe mit mit den kindern kommt mit mir selbst, ganz alleine, ohne kinder.
vorherrschendes gefühl 2011?
das muss anders werden.
2011 zum ersten mal getan?
mich für länger als 6 stunden und weiter als 5 km von meinen kindern entfernt.
2011 nach langer zeit wieder getan?
nach berlin gefahren.
drei dinge, auf die ich gern hätte verzichten mögen:
die gewichtszunahme, den zu lauten, zu ungeduldigen umgang mit den kindern in den anstrengenden phasen des jahres, der ausbruch von krebs in der familie.
das schönste geschenk, das ich jemandem gemacht habe?
ich glaube, ich habe dieses jahr eine menge schöner geschenke gemacht.
das schönste geschenk, das mir jemand gemacht hat?
die reise nach berlin, eine woche ohne kinder sein dürfen. und gleich die zusage für die nächste berlinreise im mai hinterher.
der schönste satz, den jemand zu mir gesagt hat?
"...obwohl ich ja finde, dass du das überhaupt nicht nötig hast."
die wichtigste sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
siehe letztes jahr: dass es richtig und wichtig ist, ein verantwortliches leben zu führen.
2011 war mit einem wort...?
okay.
so waren 2010, 2009, 2008.
Freitag, 30. Dezember 2011
Dienstag, 13. Dezember 2011
dieses blinde 11jährige mädchen ist einen marathon gelaufen - und hat ihn erfolgreich beendet. und was hast du so geschafft in letzter zeit?
Montag, 12. Dezember 2011
heute plätzchentüten und -kisten gepackt. für die familie des mannes, für freunde und andere nette menschen. kann mich nicht entscheiden, ob eine davon tatsächlich für meinen vater sein soll. das wort "demütigung" scheint im zusammenhang mit plätzchen lächerlich, aber was ich dennoch nicht hören möchte, sind ausführungen darüber wie schlecht meine plätzchen gemacht sind. er kennt 300 wörter für schlecht, mindestens, und was ausnahmsweise mal gut ist, beschreibt er mit "ganz so schlecht ist es nicht". nichts an mir, nichts was ich je gemacht habe, hat je gereicht, um gut zu sein. warum sollte eine kiste mit plätzchen und ein lymphdrüsentumor das plötzlich ändern.
seit einigen wochen melde ich mich statt mit "hallo?" konstant mit meinem neuen nachnamen am telefon. "neu", nach zweieinhalb jahren ehe. mit dem namen, den ich annahm, um mich von meinem alten leben und meiner familie zu distanzieren. mein alter vorname gilt unterdessen auch nur noch bei 2 oder 3 leuten, die sich nicht umgewöhnen mögen (was ich ihnen nicht übel nehme, aber dieses leise, innerliche zusammenzucken, wenn sie mich mit diesem scharfen "v" ansprechen, das werde ich vermutlich nie los). zwischen 2,50 und 255 euro kostet ein rechtsgültiger neuer vorname, wenn er denn bewilligt wird.
seit einigen wochen melde ich mich statt mit "hallo?" konstant mit meinem neuen nachnamen am telefon. "neu", nach zweieinhalb jahren ehe. mit dem namen, den ich annahm, um mich von meinem alten leben und meiner familie zu distanzieren. mein alter vorname gilt unterdessen auch nur noch bei 2 oder 3 leuten, die sich nicht umgewöhnen mögen (was ich ihnen nicht übel nehme, aber dieses leise, innerliche zusammenzucken, wenn sie mich mit diesem scharfen "v" ansprechen, das werde ich vermutlich nie los). zwischen 2,50 und 255 euro kostet ein rechtsgültiger neuer vorname, wenn er denn bewilligt wird.
Dienstag, 6. Dezember 2011
Montag, 5. Dezember 2011
"ich heuchel mir doch nicht plötzlich einen ab, nur weil er jetzt krebs hat" vs. "ich schicke ihm eine dose selbstgebackene weihnachtskekse, weil ich weiß, dass er sich mangels eigener backlust jedes jahr welche beim bäcker kauft und nie richtig freude daran hat, weil sie halt doch nicht schmecken wie selbstgemacht".
ich weiß, dass ichs bereuen werde.
ich weiß, dass ichs bereuen werde.
Montag, 21. November 2011
wochenende in bildern.
kinderbücher gekauft und bei der gelegenheit am kochbuchregal vorbeigegangen. interessant: vor einigen wochen gab es hier noch kein einziges veganes kochbuch, jetzt gleich eine ganze auswahl.
zufallsbegegnung (die erste seit vielen jahren) mit einem, dem ich viel zu verdanken habe.
am stand des waldkindergarten- adventsmarkts hübsche kleinigkeiten ver- und gekauft.
zu ehren des besuchs von frau jademond das erste curry der saison gegessen. die rosa stücke darin sind natürlich kein leberkäse oder sowas, sondern tofu, auf den leider das selbstgemachte currypulver unvorteilhaft abgefärbt hat. aber lecker wars trotzdem.
mitglied bei der gartencoop geworden und am sonntag gleich mal sieben stunden auf der mitgliederversammlung verbracht. die vokü maulwürfe hat uns mit coop- eigenem gemüse bekocht. seit jahren zum ersten mal wieder "richtige" karotten, pastinaken, lauchstangen gesehen: riesig und herrlich verwachsen. eben genau das, was auf dem konventionellen markt niemals eine chance hätte, da nicht transportkistengerecht und sparschäler- adäquat gewachsen. einen großen haufen spannender, inspirierender menschen kennengelernt. ab januar bekommen wir gemüse von dort und ich kann kaum meine arbeitseinsätze erwarten. irgendwann werde ich sicher mal ausführlicher darüber schreiben.
Mittwoch, 26. Oktober 2011
der große sohn besteht darauf, dass die vögel, die an unser vogelhäuschen auf dem balkon kommen, seine vögel sind. er will regelmäßig gucken, ob sie auch noch genug körner im häuschen haben und wenn nicht, rückt er einen unserer balkonstühle heran, ruft nach mir und will den eimer mit dem vogelfutter angereicht kriegen, um dann kinderhand für kinderhand neue flocken ins häuschen zu schaufeln. seine lieblingsvögel sind storche, gleich danach kommen buntspechte. er kann krähen von amseln und diese von dohlen unterscheiden, auch spatzen, meisen und rotkehlchen erkennt er mühelos. wenn er aus dem haus geht, nimmt er sein "handy" mit, einen länglichen, flachen blauen bauklotz. das "handy" klingelt dann circa alle drei minuten ("tüdelüdelüdelü - oh sseiße, sson wieder mein händi!"), und jedes mal ist der spatz dran, der sagt, er käme jetzt gleich zum futtern ans häuschen, man solle doch bitte die katze vom fenster nehmen("mhm, ja, ja, okee, ja, isgut, ja. do machen wir das, ja - ja - bis päter!"). manchmal sagt er auch, er hätte als nachtisch gerne noch ein paar erdnüsse.
(keine pointe, einfach nur aufgeschrieben. aus purer faszination an dieser magischen kinder- phantasie- und gedankenwelt.)
Montag, 24. Oktober 2011
wenn ich den großen sohn morgens im waldkindergarten abgesetzt habe, fahre ich auf dem weg zum bioladen ein kurzes stück am rand des naturschutzgebietes entlang. wälder, felder, kühe, pferde, in der frühmorgensonne ohnehin schon wunderschön anzusehen.
heute morgen tat ich das nach drei stunden schlechten schlafes und einer migränetablette zum frühstück. und dann musste ich anhalten und gucken und fast heulen, als sich ein irrsinnig riesiger vogelschwarm aus etlichen tausend vögeln unter lautem getöse von der nebligen wiese erhob und in den himmel stieg. schwärme, unendlich faszinierend. die vögel drehten ihre runden und schleifen am himmel, setzten sich wieder auf der wiese ab und erhoben sich wenige augenblicke später erneut. dieser lärm von xtausend mal zwei vogelflügeln, die alle im gleichen moment zu schlagen beginnen. vogelrufe. diese wolke aus vögeln am herbsthimmel, die zwischen den nebelschwaden verschwindet, wieder auftaucht, wieder verschwindet, wieder auftaucht. sich aufspaltet und wieder zusammenfließt, heller wird, lichter, und dann wieder dichter und dunkler. "das ist der wahnsinn, oder? " fragt mich ein vorbeijoggender mann. zu ergriffen gewesen, um ein foto zu machen.
und dann lächelnd weitergefahren und mich gefreut über die frühmorgendliche magie. eine kleine entschädigung besonderer art, eine erinnerung an das schöne, wo sonst gerade vieles oft so anstrengend und grenzwertig ist.
heute morgen tat ich das nach drei stunden schlechten schlafes und einer migränetablette zum frühstück. und dann musste ich anhalten und gucken und fast heulen, als sich ein irrsinnig riesiger vogelschwarm aus etlichen tausend vögeln unter lautem getöse von der nebligen wiese erhob und in den himmel stieg. schwärme, unendlich faszinierend. die vögel drehten ihre runden und schleifen am himmel, setzten sich wieder auf der wiese ab und erhoben sich wenige augenblicke später erneut. dieser lärm von xtausend mal zwei vogelflügeln, die alle im gleichen moment zu schlagen beginnen. vogelrufe. diese wolke aus vögeln am herbsthimmel, die zwischen den nebelschwaden verschwindet, wieder auftaucht, wieder verschwindet, wieder auftaucht. sich aufspaltet und wieder zusammenfließt, heller wird, lichter, und dann wieder dichter und dunkler. "das ist der wahnsinn, oder? " fragt mich ein vorbeijoggender mann. zu ergriffen gewesen, um ein foto zu machen.
und dann lächelnd weitergefahren und mich gefreut über die frühmorgendliche magie. eine kleine entschädigung besonderer art, eine erinnerung an das schöne, wo sonst gerade vieles oft so anstrengend und grenzwertig ist.
Sonntag, 23. Oktober 2011
blogempfehlung: küchenfunkeln.
meine liebe freundin nomi meint es erst diesmal - sowohl mit dem bloggen, als auch mit dem veganismus. auf küchenfunkeln kombiniert sie beides und verrät ihre schweineleckeren veganen (hauptsächlich dessert-) rezepte. und nach dem zu urteilen, was ich bereits vorab erspickeln durfte, sollte man sich das wirklich auf keinen fall entgehen lassen. ich warte derweil sabbernd auf das rezept für diesen supersaftigen veganen karottenkuchen, den ich da neulich gesehen habe...
Dienstag, 18. Oktober 2011
was ich an dem umstand, nun nicht als lehrerin zu abeiten, derzeit am tragischsten finde: dass ich meiner ausgeprägten liebe zu hochwertigen und schönen schreibwarenartikeln kaum mehr frönen kann. was habe ich es geliebt, früher zu semesterbeginn eine wohlzelebrierte stunde im sutter zu verbringen, französisches schreibpapier zu bestellen, den vorrat an tintenpatronen aufzufüllen, das arsenal an testmarkern aufzustocken, hefter und ordner auszusuchen. und über all dieser herrliche kleinkram - buchklammern, radiergummis, bleistifte, tintenroller, aufkleberchen, post- its in x verschiedenen farben...ein paradies. und vor jeder wichtigen klausur brauchte man natürlich einen besonders tollen glücksstift; anfang dezember der alljährliche ritualkauf des moleskine weekly planners für das nächste jahr.
aber ich schweife ab. mein lehrerinnendasein ist jedenfalls so gut wie tot, doch die liebe zur papeterie schlägt immer noch. momentan sehr laut und fordernd nach einem taschenbegleiter. ba- bumm, ba-b bumm, ba- bumm, lieber weihnachtsmann!
[ darauf gestoßen bin ich durch madame schuehsch, die ihren ebensolchen verloren hat. ]
aber ich schweife ab. mein lehrerinnendasein ist jedenfalls so gut wie tot, doch die liebe zur papeterie schlägt immer noch. momentan sehr laut und fordernd nach einem taschenbegleiter. ba- bumm, ba-b bumm, ba- bumm, lieber weihnachtsmann!
[ darauf gestoßen bin ich durch madame schuehsch, die ihren ebensolchen verloren hat. ]
Montag, 17. Oktober 2011
suppenzeit.
und so sieht sie dann aus, die suppe aus gekauften kartoffeln und tomaten, erfragtem lauch und aus der ausschuss- kiste gepflücken fenchel. plus zwiebeln und knoblauch. alles kleinschneiden, in olivenöl anbraten, mit gemüsebrühe aufgießen. 30 minuten köcheln lassen, pürieren. (feine leute streichen die pürierte suppe dann nochmal durch ein sieb, aber ich bin eher nicht so fein, und ungesiebt passt auch besser zu meinem neuen alten lieblings- suppenaccessoire, dem holzlöffel. ja, ich esse meine suppe wirklich am liebsten mit holzlöffel, und ich liebe es.)
würzen mit salz und cayennepfeffer. gehackte petersilie, pinienkerne und einen löffe soyacreme drauf, fertig, lecker.
nicht containert, aber trotzdem lecker war neulich auch die erste kürbissuppe der saison: zwiebeln, currypulver und frisch geriebener ingwer leicht angeschwitzt, kürbisstücke dazu, mit wein abgelöscht, mit brühe aufgegossen und 20 minuten köcheln lassen. pürieren, 1 glas apfelsaft dazugeben, nochmals kurz aufkochen lassen. sojasahne dazugeben, mit salz und weißem pfeffer abschmecken. dazu gebratener räuchertofu.
aus der übriggebliebenen suppe kann man am nächsten tag prima kürbissoße machen: bei kleiner temperatur etwas einköcheln lassen. nicht- veganer nehmen sie dann vom herb und rühren geriebenen parmesan unter, veganer lassen das einfach so oder rühren vielleicht noch zwei löffel sojacreme ein. dazu einfach nudeln - oder halt gnocchi. und pinienkerne. lecker!
das container- paar sehe ich immer noch regelmäßig an der mülltonne vor dem bio- supermarkt. um halb zehn macht der laden auf, wenige minuten danach bringen angestellte des ladens den frisch aussortierten ausschuss in die tonne. kaum sind die angestellten wieder weg, erbeutet das container- paar den sogenannten müll. neulich erst: orangen, pilze, stangensellerie. sah alles noch ganz gut aus.
auf das "richtige" containern verzichte ich aus genannten gründen nach wie vor. stattdessen container- kompromisse: im kleinen bio- lädchen frage ich nach ausschuss und bekomme fast immer ein paar sehr reife bananen (super für kleinstkind- essen, kindermüesli, bananenkuchen, bananen- eis, bananen- shake) und ein, zwei hände voll gemüse. einen aufgeschnittenen, an den schnittflächen angetrockneten sellerie oder kürbis zum beispiel- hobelt man die schnittflächen mit dem sparschäler ab, gibts an dem gemüse rein gar nichts mehr auszusetzen. oder durchgebrochene möhren, ähnliches prinzip. vollkommen okayes gemüse, das sonst auf dem müll landen würde.
auf dem markt kaufe ich gemüse seit jahren hauptsächlich bei einem ganz bestimmten händler. man kennt sich mittlerweile. normalerweise bekommt man ab einem einkauf von 5 euro ein frisches stück gemüse, oder zwei äfpelchen geschenkt. ich habe darum gebeten, mir stattdessen aus seiner ausschusskiste raussuchen zu dürfen, was ich gebrauchen kann. darin sammelt er während des markttages "nicht- verkaufsfähiges" obst und gemüse, das ihm zwischendurch in die hände fällt. äpfel mit einer kleinen braunen stelle, aufgerissene paprika, durchgebrochene möhren und gurken, schlappe kräuter. die entsprechenden stellen schneide ich raus, die kräuter erholen sich meist, wenn sie bald ein bisschen wasser abbekommen.
seit dem taste-the-waste-hype jede woche mindestens ein artikel zum thema auf mindestens einer der großen nachrichtenseiten. talkshows, diskussionsrunden, reportagen im fernsehen. es wird!
auf das "richtige" containern verzichte ich aus genannten gründen nach wie vor. stattdessen container- kompromisse: im kleinen bio- lädchen frage ich nach ausschuss und bekomme fast immer ein paar sehr reife bananen (super für kleinstkind- essen, kindermüesli, bananenkuchen, bananen- eis, bananen- shake) und ein, zwei hände voll gemüse. einen aufgeschnittenen, an den schnittflächen angetrockneten sellerie oder kürbis zum beispiel- hobelt man die schnittflächen mit dem sparschäler ab, gibts an dem gemüse rein gar nichts mehr auszusetzen. oder durchgebrochene möhren, ähnliches prinzip. vollkommen okayes gemüse, das sonst auf dem müll landen würde.
auf dem markt kaufe ich gemüse seit jahren hauptsächlich bei einem ganz bestimmten händler. man kennt sich mittlerweile. normalerweise bekommt man ab einem einkauf von 5 euro ein frisches stück gemüse, oder zwei äfpelchen geschenkt. ich habe darum gebeten, mir stattdessen aus seiner ausschusskiste raussuchen zu dürfen, was ich gebrauchen kann. darin sammelt er während des markttages "nicht- verkaufsfähiges" obst und gemüse, das ihm zwischendurch in die hände fällt. äpfel mit einer kleinen braunen stelle, aufgerissene paprika, durchgebrochene möhren und gurken, schlappe kräuter. die entsprechenden stellen schneide ich raus, die kräuter erholen sich meist, wenn sie bald ein bisschen wasser abbekommen.
seit dem taste-the-waste-hype jede woche mindestens ein artikel zum thema auf mindestens einer der großen nachrichtenseiten. talkshows, diskussionsrunden, reportagen im fernsehen. es wird!
Donnerstag, 13. Oktober 2011
auch schön: wenn 15 minuten nach mitternacht das telefon klingelt, das display anzeigt, dass meine mutter dran sein müsste und die sich dann aber erst nach mehrmaligem in-den-hörer-rufen meldet. sie stottert, bringt manche halbsätze ganz passabel, andere kaum über die lippen ("...ich hab...hab den k-k-k-kkopf ge-ge-gebraten...gegegebraten....kopf gebraten....k-k-k-k-o-pf ge...backen, gebacken...."); erst vor ein paar tagen erzählte sie mir noch, dass sie zuhause zusammengeklappt sei, kreislaufkollaps, aber sie sei beim arzt gewesen und es sei wohl alles in ordnung. ahja. mein kopf spult innerlich ein programm ab "kannst du die tür öffnen?" frage ich ("ich...kopf gebraten...") und denke dabei an den rettungsdienst, den ich gleich rufen werde, denn ungefähr so stelle ich mir einen schlaganfall vor, und wie kommt der rettungsdienst in die wohnung meiner mutter, wenn die da liegt und den kopf gebraten hat. mehrere minuten lang rede ich panisch auf sie ein ("du redest wirres zeug, mama, ich rufe jetzt den krankenwagen" - "nein, ich h-h-h-h-hab---k....kopf, also: ich bin, und dann...k-k-k-k....kopf...das wort...gebacken") und sehe mich schon mitten in der nacht mit dem taxi in die klinik fahren. sie versucht mir zu erklären, was los ist und findet die wörter nicht, aber immerhin, sie kann noch reden, ist bei bewusstsein.
ich übergebe den hörer an den mann, er soll einschätzen, wie es um meine mutter steht. er fragt sie nach dem datum, nach dem alter ihrer enkel, fragt ein paar aktuelle politiker ab und was sie letztes wochenende gemacht hat und mit jeder antwort meiner mutter entspannt sich sein gesicht und seine stimme wird ruhiger. irgendwann habe ich sie wieder am ohr und sie erklärt ohne wortfindungsstörungen: sie hat geschlafen, sich im bett herumgedreht, ist dabei auf das telefon, das wohl im bett lag, gekommen und hat unbeabsichtigt die wahlwiederholung getätigt. und dann brauchte sie eben erstmal eine ganze weile, bis sie selbst aus dem schlaf heraus zu sich kommen und normal sprechen konnte.
puh.
dieses alter, in das man irgendwann kommt, in dem man in bezug auf die gesundheit seiner eltern mit allem rechnen muss, das ist kein spaß - ganz egal wie beladen und unharmonisch das verhältnis zu ihnen sonst oft ist.
mein vater hat übrigens krebs.
ich übergebe den hörer an den mann, er soll einschätzen, wie es um meine mutter steht. er fragt sie nach dem datum, nach dem alter ihrer enkel, fragt ein paar aktuelle politiker ab und was sie letztes wochenende gemacht hat und mit jeder antwort meiner mutter entspannt sich sein gesicht und seine stimme wird ruhiger. irgendwann habe ich sie wieder am ohr und sie erklärt ohne wortfindungsstörungen: sie hat geschlafen, sich im bett herumgedreht, ist dabei auf das telefon, das wohl im bett lag, gekommen und hat unbeabsichtigt die wahlwiederholung getätigt. und dann brauchte sie eben erstmal eine ganze weile, bis sie selbst aus dem schlaf heraus zu sich kommen und normal sprechen konnte.
puh.
dieses alter, in das man irgendwann kommt, in dem man in bezug auf die gesundheit seiner eltern mit allem rechnen muss, das ist kein spaß - ganz egal wie beladen und unharmonisch das verhältnis zu ihnen sonst oft ist.
mein vater hat übrigens krebs.
Mittwoch, 12. Oktober 2011
"Am schlimmsten für die Arschlochhasser sind die Prenzelbergmütter. Sie wissen nicht viel über sie. Sie reden nicht mit ihnen, erkundigen sich nicht nach ihren Leben. Eigentlich wissen sie bloß, dass die Prenzelbergmütter da sind. Auf der Straße, in den Supermärkten, in den Kaffeehäusern. Mit ihren Kinderwägen. Im Kaffeehaus sitzen sie am Nebentisch und packen ihre Euter aus. Im Supermarkt blockiert die Pbergmutter mit ihrem Kinderwagen die Gänge. Auf den Straßen fahren die Pbergmütter die Kinderlosen über den Haufen. Oder ihnen in die Hacken. Mindestens stehen sie im Weg. Man muss ihnen ausweichen. Viel mehr wissen die Arschlochhasser über die Pbergmutter nicht. Vielleicht noch, dass sie ständig Latte Macchiato trinkt. Ihr Kinderwagen ein Luxuskinderwagen ist. Und dass sie Kinderkult betreibt. Mit minimalen Variationen läuft es auf immer dasselbe hinaus: Dass hier Frauen mit Kinderwägen unterwegs sind. Sichtbar."
Freitag, 7. Oktober 2011
diese magische halbe bis dreiviertelstunde nach dem abholen aus dem kindergarten, in der die jungs einträchtig und vertieft im kinderzimmer spielen. auto- und baustellengeräusche machen, trotz offensichtlicher differenzen in der sprachlichen entwicklung dinge miteinander aushandeln. der große singt lieder aus dem kindergarten nach. morgens früh um acht/ wird kaffee gemacht. vollkommene harmonie.
Montag, 3. Oktober 2011
als ich damals "seltener schläft sie" in mein blog schrieb, ahnte ich nicht, dass sich alle bis dahin für krass gehaltenen schlafmangelzustände noch um das xfache steigern lassen würden. nach migräne, halluzinationen (akustisch und optisch), sprachstörungen, erbrechen infolge von schlafmangel weiß ich jetzt seit 2 tagen auch, wie es ist, wenn man nur schlafen kann, wenn man körperlich quasi zusammenbricht.
es ist sechs minuten nach ein uhr morgens; ich backe brot und warte auf den blackout.
es ist sechs minuten nach ein uhr morgens; ich backe brot und warte auf den blackout.
Freitag, 30. September 2011
einziges blog, das ich zur zeit wirklich lese: arbeit und struktur. es geht um etwas komplett anderes, als der titel vermuten lässt: wolfgang herrndorf, autor von u. a. tschick dokumentiert sein leben seit der diagnose eines glioblastoms. am besten hier anfangen.
Donnerstag, 29. September 2011
12 semester philosophie studiert, schwerpunkt praktische philosophie, bioethik. 12 semester lang den kopf auf- und die tastatur abgerieben über fragen und probleme der embryonalen stammzellenforschung, pid, künstlichen veränderung der genetik von lebewesen. wo sind die grenzen, wo führt es hin, darf der mensch gott spielen, darf er eingreifen in die genetik von mensch, tier, pflanze? wo fängt leben an, wo hört es auf, wo fängt der sinn der künstlichen veränderung von genen an, wo hört er auf? gibt es überhaupt einen? und wenn es einen gibt, heißt das dann automatisch, dass wir das dürfen? was ist noch zucht, was ist eingriff in die schöpfung, was darf sich der mensch als krone der schöpfung gegenüber pflanze und tier erlauben, wo muss er die "persönlichen" rechte von tieren wahren; hat so ein tier (oder auch: so ein embryo, so eine stammzelle, so ein kartoffelkeimling) überhaupt "persönliche" rechte, welche rechte hat es überhaupt? 12 semester lang meterweise essays und bücher gelesen zu diesen themen, nächtelang gebrütet über hausarbeiten, mich mit fester stimme in diskussionsrunden ereifert, zig vorlesungen gehört, x referate geschrieben.
nie zu einem endgüktigen ergebnis gekommen, so wie alle anderen schauen und schlausten leute, die sich mit diesen themen befassen.
dann gehe ich mit meinem noch nicht ganz dreijährigen sohn einkaufen und wir begegnen einem winzig kleinen hund, gesicht und schweif sehen sehr nach spitz aus, sein fell ist fuchsfarben, aber er ist winzig klein und trippelt auf pfenniggroßen pfötchen neben den stiefeletten seiner besitzerin her. "oh, kummal, ein einchörnchen!" ruft der sohn begeistert. wenige tage später begegnet uns im wald eine spaziergängerin, an der leine ein windhund mit kurzem, von braunen fleckchen besprenkelten weißem fell, die schnauze langgezogen und vorne plötzlich stumpf; erinnern an eine dieser sog. kampfhundrassen. "oh, mama, kummal, eine ziege!", freut sich der sohn.
vielleicht könnte man sich all dieses endlose philosophieren und diskutieren und in den dringendsten fragen doch nie zu einem brauchbaren ergebnis kommen einfach sparen, zumindest was die erlaubnis für zuchtrichtlinien bei tieren angeht: einfach eine kommission aus ein paar dreijährigen gründen, was die noch als das eigentliche tier erkennen, geht durch, alles andere nicht mehr. es könnte so einfach sein.
nie zu einem endgüktigen ergebnis gekommen, so wie alle anderen schauen und schlausten leute, die sich mit diesen themen befassen.
dann gehe ich mit meinem noch nicht ganz dreijährigen sohn einkaufen und wir begegnen einem winzig kleinen hund, gesicht und schweif sehen sehr nach spitz aus, sein fell ist fuchsfarben, aber er ist winzig klein und trippelt auf pfenniggroßen pfötchen neben den stiefeletten seiner besitzerin her. "oh, kummal, ein einchörnchen!" ruft der sohn begeistert. wenige tage später begegnet uns im wald eine spaziergängerin, an der leine ein windhund mit kurzem, von braunen fleckchen besprenkelten weißem fell, die schnauze langgezogen und vorne plötzlich stumpf; erinnern an eine dieser sog. kampfhundrassen. "oh, mama, kummal, eine ziege!", freut sich der sohn.
vielleicht könnte man sich all dieses endlose philosophieren und diskutieren und in den dringendsten fragen doch nie zu einem brauchbaren ergebnis kommen einfach sparen, zumindest was die erlaubnis für zuchtrichtlinien bei tieren angeht: einfach eine kommission aus ein paar dreijährigen gründen, was die noch als das eigentliche tier erkennen, geht durch, alles andere nicht mehr. es könnte so einfach sein.
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