Sonntag, 17. April 2011

containern.

auf twitter und flickr habe ich neulich erzählt, dass ich containern war. es gab einige reaktionen dazu, viele wollten wissen, wie ich das gemacht habe, wie es war etc. eine davon ist @_blumenpost. sie schreibt:


...wollte ich dich fragen ob du noch mehr zum Thema Containern schreiben könntest. Bei Twitter hattest du kurz davon erzählt und das fand ich richtig spannend.
Du sagtest du hättest deine Kinder mitgenommen, wie hast du das organisatorisch gemacht? Und was hast du deinem größeren Sohn darüber erzählt (soweit er das schon versteht was ihr da macht)?



für die antwort muss ich etwas weiter ausholen.

neulich schrieb ich mal was über ein paar, das ich des öftern beim containern im müllbehälter vor dem biosupermarkt meiner wahl treffe. dieses paar und überhaupt die ganze sache mit dem containern beschäftigt mich weiterhin. neulich habe ich zum ersten mal selbst (mit-)containert.

oft wird davon ausgegangen, dass wohl nur die im müll nach essen suchen, die zu wenig geld haben, um es sich in ausreichender menge oder vielfalt kaufen zu können. dem ist nicht so. containern hat nichts mit armut oder geiz zu tun, sondern ist teil einer lebenseinstellung und/ oder einer politischen überzeugung. deshalb eins vorweg: auch meine container- premiere hat nichts mit finanzieller knappheit zu tun. aber viele dinge, die in verschiedensten bereichen der lebensmittelproduktion ablaufen, treffen bei mir einen nerv, machen mich wütend. das reicht von den umständen rund um die produktion tierischer lebensmittel über genfood, bis zu deklarationsschwindel und transportproblematik. und spätestens, seit ich "frisch auf den müll" gesehen habe, lässt mich auch nicht mehr los, in welchen mengen einwandfreie lebensmittel im müll landen.

neulich ergab es sich, dass ich mit den kindern auf dem weg zu einem termin vorher noch kurz einkaufen gehen wollte. wir waren ein paar minuten zu früh dran und mussten gemeinsam mit anderen leuten auf die öffnung der ladentür warten. drinnen war das personal schon mit dem aussortieren und auffüllen der waren beschäftigt. auch besagtes containerpärchen befand sich unter den wartenden. es hat mich einigen mut gekostet, aber schließlich habe ich die beiden angesprochen. über das sich anschließende gespräch, in dem sie mir einiges über ihre motivation, aber auch über ihre vorgehensweise und ihre "tricks" preisgaben, will ich hier nichts verraten. aber sie luden mich ein, doch mal "mit in die tonne zu gucken". ich nahm an.

kurz nach ladenöffnung kamen zwei mitarbeiter heraus und luden scheu um sich guckend (der container befindet sich unmittelbar vor dem laden, direkt an der straße, so dass jeder sehen kann, was dort weggeworfen wird) zwei kisten zeug in den container. nickten dem paar, ich nehme an, man kennt sich, mit strengem gesichtsausdruck zu, und verschwanden wieder. dann ging es ans werk.

um ehrlich zu sein, habe ich selbst gar nicht so viel containert, sondern war eher nutznießerin. ich habe einmal kurz in die tonne geguckt, mich aber nicht getraut, mich länger richtig reinzulehnen, weil ich so zwangsweise meinen kinderwagen mit dem großen sohn auf dem buggyboard aus dem blick verlor. wie bereits gesagt, steht der müllcontainer unmittelbar an einer stark befahrenen straße mit 2 autospuren und 2 straßenbahngleisen und da ist so ein zweieinhalbjähriger unter umständen schneller vom buggyboard abgestiegen und vor irgendwas gefährliches gerannt, als ich aus der mülltonne rauskomme. außerdem gab es auch ein, zwei recht krasse reaktionen von passanten, als sie mich mit kindern im müll wühlen sahen. eine frau wendete sich mit der hand vor dem vor entsetzen aufgerissenen mund ab und lief zügig weg. als hätte sie eine leiche gesehen oder einen exhibitionisten. ich habe absolut kein problem damit, in der öffentlichkeit im müll zu wühlen. ob ich es, sollte ich das nochmal oder irgendwann gar regelmäßig tun, okay finde, meine kinder mitzunehmen, weiß ich noch nicht. daran zweifle ich weniger wegen der kinder selbst- ich denke, wenn sie ein bisschen größer sind, kann ich ihnen gut klarmachen, worum es beim containern geht und warum ich das gut finde. und dann können sie auch selbst entscheiden, ob sie mitgehen möchten oder nicht. es geht mir mehr um die reaktionen, die es provozieren könnte, wenn sie dabei sind. vor allem, so lange sie noch so klein sind. man kann nicht mit jedem, der uns sieht, eine klärende diskussion führen und ich möchte nicht, dass irgendwer denkt, meinen kindern gehe es schlecht oder ich würde sie instrumentalisieren.

aber zurück zu meinem kleinen beutezug: jedenfalls habe ich dann das pärchen containern lassen und die sachen, die sie aus der tonne holten, angenommen und gemeinsam mit dem großen sohn am rande des gehwegs vorsortiert.
es gab jede menge verschiedenes gemüse, ein paar netze zitronen, etwa 7 oder 8 tüten büffelmozzarella, äpfel, birnen, joghurt. ich sortierte tatsächlich verdorbenes gemüse grob aus (musste dann zuhause nochmal genauer sortieren) aus und räumte das noch gut erhaltene in drei pappkisten. am ende teilten wir auf. meine beute sah so aus:

dumpster diving.


nicht im bild: cherrytomaten, die gerade zum waschen an der spüle lagen und die ich vergessen habe, aufs bild zu legen. als ich den rucksack wegpacken wollte, fand ich in der netztasche außen noch eine avocado und ein päckchen kresse.
am salat waren untenrum vier matschige blätter dran. am spargel konnte ich außer der zerrissenen verpackung nichts entdecken. in dem netz zitronen war eine schimmlig. der mozzarella war 2 tage vor ablaufdatum. bei den bohnen waren ein paar wenige drin, die braune stellen hatten oder schimmlig waren, bei den tomaten genauso. die avocado war einfach nur sehr reif und das kressepäckchen zu 1/3 vertrocknet, der rest aber noch total in ordnung.

insgesamt konnten wir davon zwei mal sehr gut und reichlich mittagessen.

ich würde das tatsächlich gerne öfter machen. aber dass so ein container direkt an einer straße steht (und nicht in einem videoüberwachten und gut abgesicherten hinterhof, auf dem alle 30 minuten ein scharf behundeter wachmann vorbeikommt) und das personal das containern einfach so duldet, ist eine echte seltenheit. würde ich das also ausbauen wollen, müsste ich vermutlich auch an der grenze der kriminalität kratzen und mir abends in der dämmerung vermummt zugang zu den supermarktcontainern beschaffen (hausfriedensbruch). die container aufbrechen (sachbeschädigung), das zeug rausklauben und dann schnell wieder abhauen. das ist eigentlich nichts, was man gut alleine machen kann. ganz gute einblicke in diese üblichere form des containerns kann man auf der anarchopedia- seite dazu bekommen. manche tipps, die quasi konkrete anleitungen zum indirekten ladendiebstahl darstellen, gehen mir aber zu weit. das würde ich nicht tun.
als alternativ könnte ich mir vorstellen, eine vereinbarung mit unserem kleinen bioladen hier zu treffen. wir kaufen 90% unserer lebensmittel dort. ich könnte fragen, ob ich mir aus den eigentlich für den müll bestimmten waren sachen heraussuchen und sie für einen symbolischen preis mitnehmen darf.

außerdem ganz interessant: das container-blog (seit 2 jahren kein update mehr, aber spannend und aufschlussreich durchzublättern ist es trotzdem) und dumpstern.de

Samstag, 16. April 2011

der wunderliche, ältere herr mit den verschranzten klamotten und dem wilden weißen haar. mindestens zweimal täglich geht er unsere straße entlang (ich glaube, er arbeitet hier in der nähe), spricht und pfeift auf seinem weg mit den vögeln und und verwickelt uns in seltsame, aber nette gesprächn, wenn er jemanden von uns auf dem balkon sieht.

vorhin kam er uns entgegen, als wir gerade vom einkaufen zurückkamen. sieht, dass ich den kleinen im ergo trage und sagt: "das machen sie richtig! seele an seele! das wird was, das wird gut! das wird kein grobian!"

seele an seele. ich glaube, das sind die weisesten, besten worte für alles, was am tragen so wichtig, so gut und so schön ist. seele an seele.


winter walk.

Freitag, 15. April 2011

this moment.


another thursday morning with our playground buddies.




[a friday ritual. a single photo - no words - capturing a moment from the week. a simple, special, extraordinary moment. a moment i want to pause, savor and remember. inspired by soule mama.]

Donnerstag, 14. April 2011

handarbeit.

das mit den fragen scheint eine prima idee gewesen zu sein. kaum hatte ich den artikel verfasst, hatte ich auch gleich fünfsechssieben mails im briefkasten und ebensoviele direct messages bei twitter erhalten. allerliebsten dank für euren zuspruch, das mutmachen und die vielen tollen komplimente. ihr seid so nette leute.

aber zu sache, schätzchens. die erste frage kam nämlich von marylind und geht so:

...ich lese Dein Blog schon eine Weile still und leise mit und habe Dich vor kurzem auch als Ringelmiez entdeckt. Bin sehr angetan von den schönen Dingen, die Du zauberst und auch von Deiner Art, darüber zu schreiben. Als Frage daher: Wie bist Du zur Handarbeit gekommen? Wie vereinst Du das mit Deiner Familie, so dass niemand zu kurz kommt, Du aber trotzdem noch genügend Zeit für aufwändige Projekte wie z.B. die Quilts hast?


mio, mein mio.

"zur handarbeit gekommen" bin ich in dem sinne eigentlich nie. die war einfach immer da. meine oma hatte ein nähzimmer im stil der 50er jahre, so eins, wo die nähmaschine und alle schubladen und aufbewahrungsmöglichkeiten für all das zubehör in eine schrankwand eingebaut waren und zum nähen dann so gogo- gadgetto- mäßig herausgezogen, ineinandergeschoben, aufgeklappt und mittels irgendwelcher steckverbindungenaufgebaut wurden. sie hatte eine große knopfkiste, in der ich liebend gern stundenlang wühlte und klimperte und sie brachte mir, da war ich etwa 5, bei, wie eine nähmaschine funktioniert und was man damit alles machen kann. zuhause bei meiner mutter gab es leider keine nähmaschine und meine oma wohnte über 500 kilometer weit weg. also brachte ich mir zuhause das nähen von hand bei und puzzelte irgendwelche kleinen täschchen und hüllen zusammen. bei meiner oma durfte ich dann in den ferien immer assistieren und mir mit ihrer hilfe einkaufsbeutelchen und taschentücher- täschchen an der maschine nähen.

cathedral window pillow.

meine mutter konnte nie stricken, hat aber früher viel gehäkelt. ich erinnere mich an gehäkelte mützen mit farblich abgesetzten schrägstreifen, fransenstolen (stolas?) und bunte schlangen aus wollresten, die mit watte gefüllt als luftzugstopper dienten. oh, und an ein gehäkeltes regenbogenkleid.

from norway with love.

und dann war da noch "textiles werken" in der grundschule, eins meiner lieblingsfächer. da habe ich rechte und linke machen stricken gelernt. allen weiteren strickkram habe ich mir während der studienzeit selbst beigebracht, als ich irgendeine beschäftigung für all die überflüssigen sitzscheine, ergo für vorlesungen in politikwissenschaften, theologie, jura, und psychologie brauchte.

in all diesen dingen, auch im malen und zeichnen, konnte ich immer schon eine besondere art der ruhe finden. etwas mit meinen händen zu machen war und ist eine art von seelennahrung für mich. ich kann nicht ohne. ich werde unglücklich, wenn ich länger als 2 tage keinen stoff oder keine wolle zwischen den fingern habe.

hawthorne.

wie ich das mit meiner familie vereine, darüber habe ich hier (ganz unten) mal ausführlicher geschrieben. wenn ich das so lese, versteh ich manchmal selbst nicht so ganz, wie ich in all diesen kleinen zeithäppchen dann doch so relativ viel geschafft kriege. aber es geht irgendwie doch ganz gut und oft fällt den kindern dabei, glaube ich, gar nicht auf, dass das arbeit ist, was ich da gerade mache. viele arbeitsschritte lassen sich auch prima mit kinderspiel verbinden. wenn ich zum beispiel ein quilt layout an der design wall probestecke, bekommt der große sohn auch immer ein paar stoffreste und ein paar nadeln ab und spielt meine arbeit nach. bindings von hand nähen oder puppenkleidung stricken geht wunderbar, während ich den jungs bücher vorlese. trotzdem bin ich gespannt, wie viel ich vielleicht mehr schaffen kann, wenn beide jungs im kindergarten sind und ich freie vormittage habe. bis es soweit ist, dauerts aber noch ein weilchen. diess jahr kommt erstmal der große in den kindergarten und bis es beim kleinen so weit ist, werde ich es genießen, ihn noch zuhause betüdeln zu können.

Mittwoch, 13. April 2011

frag mich doch.

es gäbe 100 sachen zu erzählen, 100 rezepte zu verraten, 100 fotos zu zeigen. aber mir fehlt der antrieb. vielleicht hülfe es, konkrete fragen und themenwünsche gestellt zu kriegen. so übergangsweise, bis ich wieder von selbst weiß, warum ich bloggen möchte. worüber soll ich schreiben? was möchtest du wissen? welches rezept soll ich teilen? schreib mir an ellahartmann bei gmail punkt com. ich freu mich.

(ich behalte mir vor, auf blöde und/ oder anonym gestelle fragen nicht zu antworten. ihr wisst schon.)

Donnerstag, 7. April 2011

linktipp: kinderpendent.

Dienstag, 29. März 2011

ich hasse shopping.
ich hasse es unabhängig vom anlass, unabhängig von der begleitung, unabhängig von meiner kleidergröße. ich hasse es abgrundtief. klamotten kaufen, wie unglaublich ätzend, was für eine langweilige art der zeitverschwendung. ich kann absolut nicht nachvollziehen, wie rudel von frauen ganze samstag freiwillig von umkleide zu umkleide rennen können, 7 stunden lang durch 40 verschiedene geschäfte um am ende zu wissen: anprobierte jeans nr. 17 sitzt noch einen hauch besser als jeans nr. 9, nr, 23 war ein fehlkauf, nr. 4 tausche ich doch besser gegen die andere farbe um. die art von glück, die dabei empfunden wird, erschließt sich mir nicht.

wenn es gar nicht mehr anders geht (nicht mehr flickbare löcher in den jeans, alle shirts zerschlissen, oder alles verbliebene ist auf unmöglich aussehende weise zu groß oder zu klein), dann fahre ich schlecht gelaunt in die stadt, betrete einen klamottenladen, ziehe bis zu 10 sachen aus den regalen, die so aussehen, als könnte ich reinpassen und probiere alles zügig nacheinander an. was passt, wird mitgenommen, den rest drücke ich der verkäuferin in die hand. viertelstunde, länger darf shopping bei mir nicht dauern. entsprechend wenig geld habe ich jährlich für kleidung ausgegeben. 50 bis 100 euro, vielleicht 150, wenn mal ein neues paar schuhe fällig war.

gestern habe ich meine klamottenkommode ausgemistet. pullis und oberteile, die ich teilweise seit fast 12 jahren besaß. alte riesenklamotten von 15 kilo mehr als jetzt, alte miniklamotten von 10 kilo weniger als jetzt. meine alten fahrradhandschuhe: die eingetrockneten gelpads zerbröselten bei leichtem druck. viel rumpfkluft, viel scheißteure öko-designersachen, die ich über meinen damaligen nebenjob günstiger bekommen hatte, die aber stilmäßig noch nie mein fall waren: alles mit hinblick auf das bald beginnende ref gekauft. haha. außerdem ein bisschen sogenannte umstands- "mode".

am ende ist davon übrig geblieben: fast nichts. ein großer sack für die altkleidersammlung, eine kiste voll für ebay, ein sack für den müll. behalten werde ich meine rennradhosen, 2 oberteile, eine hose, 3 pullover. das ist alles. ich muss also shoppen gehen.

und das auch noch mit dem vosatz, ab jetzt nur noch entweder gebrauchte oder ökologisch und im idealfall auch noch sozial verantwortbar produzierte kleidung zu kaufen. in den vergangenen tagen ein paar jeans ersteigert; heute dann gudrun sjödén leergeshoppt. online. das kleinere übel, immerhin. klick, klick, klick. innerhalb einer stunde einen warenwert zusammengeklickt, den ich in den gesamten vergangenen 10 jahren nicht für kleidung ausgegeben habe. ganz merkwürdige dinge ausgesucht: leggins, sogar ein kleid und einen rock! kleid! rock! ICH! drauf gewartet, dass ich zu staub zerfalle. ist nicht eingetreten.

und dann passierte etwas seltsames: es begann, spaß zu machen. spaß, erleichterung, dann vorfreude. jetzt hibbelige vorfreude. ich beginne, mir selbst unheimlich zu werden.


(und das alles kurz nach entdeckung des ersten grauen haars. da steckt doch ein plan dahinter.)

Mittwoch, 23. März 2011

Dienstag, 22. März 2011

weiter aufgeräumt. dabei auch gefunden: eine geburtstagskarte für den seelenverwandtschaftsbruder, geschrieben 2001 und ihm dann wohl doch nicht gegeben. überhaupt: so viele fotos, briefe, postkarten, erinnerungsschnipsel aus alten zeiten; relikte die sich anfühlen wir ballast, die ich mich aber trotzdem nicht wegzuwerfen traue. stattdessen eine blechbox damit gefüllt und ganz hinten unten im regal vergraben.

Samstag, 19. März 2011

beim aufräumen gefunden: moleskine kalender aus dem jahr 2008; ganz hintendrin eine seite voller notizen von dingen, die ich mir für dieses jahr vorgenommen hatte. "studium beenden", "mountainbike alpencross", "noch mehr abnehmen" und so. beim durchlesen geseufzt. dann den kalender selbst durchgeblättert, geguckt, was ich stattdessen alles gemacht habe. es kam alles anders. leise lachen müssen. das mountainbike, dass ich damals gekauft hatte, um damit die alpen zu überqueren, zieht jetzt eine zweisitzige kinderkarre. ob's die alpen noch schaffen würde?

Dienstag, 15. März 2011

oft, wenn ich relativ früh einkaufen gehe und den bioladen recht kurz nach ladenöffnung erreiche, sehe ich dasselbe, in stilvoller ökomode der gehobenen preisklasse glekleidete paar mittleren alters am müllcontainer stehen und aussortierte lebensmittel herausklauben. sie containern, eine sache, dich mich auch schon länger beschäftigt. ich kenne das seit dem studium; diverse meiner ehemaligen kommilitonen waren links bis linksradikal orientiert und betrieben freeganism. soweit ich weiß, kamen sie nur sehr selten in die verlegenheit, für lebensmittel geld ausgeben zu müssen; einige ernährten sich auf diese weise ausschließlich in bio- qualität, jahrelang, kostenlos.
jedes mal, wenn ich dieses paar am bioladen sehe, denke ich, verdammt - ich sollte mein leben wieder radikalisieren, noch konsequenter sein, noch politischer leben. der müllcontainer befindet sich direkt vor der glasfront, hinter der die kassen platziert sind; die mitarbeiter müssen die beiden sehen. niemand hindert sie daran, am hellichten tag noch gut erhaltene bio- lebensmittel aus dem container zu ziehen. jeder, der vorbeiläuft, kann sehen, dass die sachen eigentlich noch einwandfrei sind. vielleicht eine kleine braune stelle am apfel, vielleicht ist die tüte erdnüsse an einer stelle aufgeplatzt, der joghurt einen tag vor dem verfallsdatum. nichts, was man nicht durch herausschneiden, aussortieren oder einmal kurz umrühren wieder in ordnung bringen könnte.
die beiden erbeuten einen strunk bananen, ein paar kiwis, zwei äpfel, eine aufgeplatze tüte babyspinat und noch anderes, dass ich so schnell im vorbeilaufen nicht erkennen kann. während der mann die lebensmittel in seinen rucksack verstaut, geht sie in den laden und kauft, was ihr nach dem containern noch fehlt. unter anderem teure naturkosmetik; ich bin mir sehr sicher, dass sie nicht aus finanziellen gründen containert.
warum mache ich das nicht auch?

Montag, 14. März 2011

sich vor müdigkeit übergeben müssen. es gibt also doch noch eine weitere dimension von erschöpfung, die ich doch noch nicht kannte.

am wochenende einen nachmittag alleine in der stadt verbracht. alleine, ohne irgendein kind. mit meiner geliebten leder- umhängetasche, ohne umfassendes trinken-versperbox-ersatzwindel-sandelspielzeug-buch-babypuppe-trinkflasche-und falls es kalt wird doch noch ne mütze- paket. der wahnsinn. der helle wahnsinn. wieviel zeit man plötzlich hat, wenn man kein baby trägt und keinen kinderwagen schuckelt, wie schnell man laufen kann! irre. muss ich definitiv öfter machen.

beim frisör gewesen. meine frisörin noch mehr lieben gelernt. auch gelernt, dass ich abnehmen muss, bevor ich noch kürzere haare ausprobieren kann.

abends um sieben mit beiden kindern ins bett gegangen, 10 stunden geschlafen, am nächsten morgen noch immer nicht ausgeschlafen gewesen.

sonntag halb gelähmt irgendwas gearbeitet, es dann sein gelassen, bevor die qualität leidet. stattdessen gestrickt, das kann ich auch im halbkoma noch fehlerfrei. zuerst an einem auftrag, bis die wolle alle war, dann was für mich.

heute früh statt um halb sechs tatsächlich mal erst um kurz vor sieben geweckt worden. mit dem baby gekuschelt. aufgestanden und nicht gleich wieder taumelnd gegen den türrahmen gedonnert. mich sowas ähnliches wie ausgeschlafen gefühlt.

auf dem weg von der baby- physiotherapie in die stadt den ersten blühenden kirschbaum gesehen. den ersten fast blühenden magnolienbaum. es wird nicht aufzuhalten sein.

Donnerstag, 10. März 2011

"Aufschreiben heißt, etwas festzuhalten. Mich selbst festhalten, mich erkennen, in Fragmenten. Ich will das, und ich will das doch nicht, sonst wäre es nicht so schwer, sonst würde ich mich mir selbst nicht entwinden wollen. Wenn ich es nicht aufschreibe, bin ich nicht zufrieden, weil ich so bequem bin, die einfache Lösung wähle; wenn ich es aufschreibe, bin ich nicht zufrieden, weil es mir nicht genau genug ist. Ich kann nicht gewinnen."



[exactly, frau fragmente.]
abends, kurz vorm schlafen gehen, schlummeln der große sohn und ich noch ein bisschen auf meinem bett. liegen bäuchlings nebeneinander, unsere gesichter einander zugewandt und ganz nah zusammengesteckt, unsere nasenspitzen berühren sich fast. der große sohn nuckelt am daumen und gibt wohlige geräusche von sich. ich streichle seinen kopf und frage: "sag mal, wo ist eigentlich das baby hin, das du mal warst?" der sohn überlegt kurz, wendet dann die innenfläche der freien hand nach außen, zuckt mit den schultern und sagt: "weg. groß, max."
"werden aus den schülern noch lebenstüchtige menschen, wenn es in der schule vor allem um spaß geht?" - es gibt mal wieder eine sehr interessante sache in der mediathek des bayerischen rundfunks anzusehen: ein kleiner film über die rolle der intuition für entwicklung, intelligenz und pädagogik. "auf den spuren der intuition", zu sehen hier in der rubrik "meistgesehen.

Sonntag, 27. Februar 2011

ein denkwürdiger moment, als ich einen der vielen alten uniordner aus dem regal zog, meister eckhart und den sufismus dem altpapier übergab und den ordner stattdessen mit angebotsunterlagen, katalogen und musterbüchern der firmen gütermann, prym, westfalenstoffe und freudenberg füllte. grinsen.

Samstag, 26. Februar 2011

es scheint, als hätte ich den faden verloren. worüber soll ich hier noch bloggen? ich habe zwei kinder, aber keine lust, eins dieser typischen muttiblogs zu führen. um die art muttiblog zu schreiben, die ich selbst gern lese, fehlt mir die zeit - wie für so vieles andere auch: geschichten, rezepte, blogposts über ärgerliche mails von leserinnen - keine zeit, ich hab zu tun. tatsächlich: ich hab zu tun.
trotzdem fehlt mir das hier, das schreiben um des schreibens willen.

Mittwoch, 9. Februar 2011

"es ist so: alle frauen sind stark, aber die meisten brauchen ihre kraft um die taegliche anpassung an den wahnsinn zu bewirken, den sie sich selber eingebrockt haben. soviel kraft habe ich nicht.
meine kraft reicht aber, um genau zu wissen, was ich nicht mehr will und immer genauer zu wissen, was ich wirklich will. das erfordert - ueberraschung - sehr wenig kraft. ich gehoere also nicht zu den starken frauen, sondern zu denen die entschlossen sind, ihr glueck zu machen."



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Samstag, 5. Februar 2011

"dass man glück nicht fassen kann, macht ja sinn. wär ja sonst längst abgegriffen."
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Montag, 10. Januar 2011

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