Mittwoch, 25. November 2009

diese momente, in denen das baby kind rücklings auf seiner schmusedecke liegt, zärtliche, singende laute von sich gibt und ganz in sich versunken eine weiße flauschfeder beguckt und bestreichelt, die es mir kurz vorher mit dem lausebengeligsten grinsen der welt von meinem basteltisch gemopst hat.
diese momente, in denen, während der mann und ich den abendbrottisch abräumen, "do they know it's christmas time" im radio kommt, wir voll aufdrehen und mit dem kind auf dem arm und dem putzlappen in der hand beknackt durch die küche tanzen.
diese momente, in denen ich am arbeitstisch sitze und eine kundenbestellung bearbeite, konzentriert auf mein tun, und dann plötzlich bemerke, dass am anderen ende des flurs der mann sitzt und mir seit minuten verliebt lächelnd zusieht.
diese momente, in denen das baby neben mir auf dem bett liegt und schläft, während ich stricke, diese momente, in denen es sich dann umdrehen will, halbwach schlafverschwitzt eine neue position sucht, dabei der daumen aus dem mund flutscht, es kurz aufjammert, um sich dann endlich in der neuen position einzuschlummeln; auf der seite liegend, den daumen wieder im mund, den anderen arm um meinen unterarm geschlungen, stirn und nase fest gegen meine haut gedrückt.

vielleicht sind all diese momente die ganze scheiße vorher wert gewesen. ich liebe dieses leben.

Dienstag, 24. November 2009

some dramatic details on the rock'n'roll lifestyle of....uhm, me.

sechs namen, auf die du hörst
1. ella
2. eva
3. frau neuernachname
4. "mama!"
4. coolcat
5. ringelmiez
6. der spitzname, den der mann für mich verwendet, den ich total liebe (also, sowohl den mann, als auch den spitznamen), der aber doch ein bisschen zu over the top ist, um ihn hier zu verraten.

drei dinge, die du gerade trägst
1. zwei paar stricksocken
2. ein krankheitsgerechtes rumgammel- ensemble in schwarz
3. eine haarnadel von senza limiti. (um wenigstens einen rest würde zu bewahren, wenn ich schon den fünften tag mit angeschlagenen bandscheiben im bett verbringe.)

drei dinge, die du dir wünscht
1. dass das alles hier so gut bleibt, wie es ist
2. eine angenehmere schwangerschaft, als die erste es war
3. dass sich noch jemand finden möge, der uns weihnachten oder an einem der tage danach besucht und sich von uns bekochen lässt.

drei dinge, die du gestern, gestern nacht und heute getan hast.
1. mit ach und krach einen gynäkologischen untersuchungsstuhl bestiegen
2. dem sturm zugehört
3. eine sterntaler-figur fertiggestellt und als erste weihnachtliche dekoration aufgehangen

zwei dinge, die du heute gegessen hast
1. müesli
2. flammkuchen

zwei leute, mit denen du zuletzt telefoniert hast
1. meine frau mutter
2. meine sachbearbeiterin bei der krankenkasse

zwei dinge, die du morgen tun wirst
1. bestellungen zur post bringen
2. versuchen, ohne des mannes unterstützung alleine mit rückenschmerzen und kind fertigzuwerden

drei lieblingsgetränke
1. coke light (immer noch, leider)
2. orangina (mit orangensafteiswürfeln)
3. zum sport: eiskaltes leitungswasser

[via kaltmamsell.]

Montag, 16. November 2009

exakt einen tag nachdem ich für meinen vater das weihnachtsgeschenk gefunden habe, nach dem ich alles in allem 10 jahre gesucht habe, schlägt er per mail vor, die schenkerei ab jetzt doch einfach zu lassen. schade, denke ich, aber klar, für ihn wäre es eine erleichterung. ich antworte, wir könnten das gerne ab nächstem jahr so handhaben, aber für dieses jahr hätte ich schon ein weihnachtsgeschenk für ihn. ich überlege, was ich mir von ihm wünsche. es wird das letzte geschenk sein, das ich von meinem vater erhalten werde, also muss es etwas besonderes sein. mein blick fällt auf ein uraltes angelaufenes stück silber an meiner pinnwand, die ruine eines rings, den er mir (auf meinen wunsch) weihnachten 1994 schenkte.
ein schöner, auffällig strukturierter silberring mit einem ovalen bernstein, den ich in einem schaufenster gesehen hatte. ich instruierte meinen vater, der im bezug auf geschenke immer dankbar war für direkte anweisungen, mir genau den zu kaufen.
dieser ring hat mich von da an am mittelfinger der linken hand getragen überall hin begleitet. er war dabei, als ich ein gutes halbes jahr nach diesem weihnachtsfest von zuhause ausriss, ich trug ihn trotz seiner mangelnden street & punkrock credibility auch während der drei monate, die ich obdachlos als straßenkind in hamburg und bremen verbrachte. ich blich mir mit scharfem putzmittel flecken in die jeans, ich schor meine haare, ich steckte mir ein klappmesser in den stiefelschaft, ich versteckte mich vor der polizei. aber den ring behielt ich an, obwohl er im kontrast zu alldem geradezu lächerlich mädchenhaft aussah. der ring blieb an meinem finger, jeden tag, auch während der folgenden jahre im heim. während ich auf das abi hinarbeitete, brach die ringschiene, kurz darauf löste sich der bernstein. ich klebte ihn mit sekundenkleber fest, er löste sich wieder und war weg. trauer.
seitdem hat mich der ring weiter begleitet, nicht mehr an meinem finger, sondern sorgsam aufbewahrt immer mit dem wunsch, ihn irgendwann reparieren zu lassen.
es gibt vielleicht keine bessere gelegenheit dafür als jetzt, im rahmen des letzten geschenks, dass ich von meinem vater erhalten werde.
von ein paar tagen habe ich den ring dort abgegeben, wo wir unsere eheringe haben machen lassen. in gute hände. die gebrochene ringschiene wird repariert und verstärkt werden; den platz des bernsteins wird ein labradorit einnehmen. ein paar wenige gramm in allen farben schillernder natrium-/ calciumfeldspat, die, wie ich später nachlas, bei der verarbeitung von schlechten erinnerungen und traumata hilfreich sein sollen.

Montag, 9. November 2009

heute vor 20 jahren war ich 8 jahre alt. ich saß abends mit meiner mutter vor unserem winzigen schwarzweiß- fernseher und sah staunend zu, wie in berlin irgendwas riesengroßes passierte, das ich nicht vollständig begreifen konnte. hunderte, tausende menschen hatten sich vor und hinter dieser mauer versammelt, obendrauf saßen auch welche. es war laut, sektkorken knallten, menschen flennten, schluchzten und schrien ihr fassungsloses glück, ihre erleichterung und ihre angst der ganzen letzten jahre in die fernsehkameras, die diese bilder zu uns ins wohnzimmer übertrugen; ein wohnzimmer in einem holzhaus in einem schneebedeckten bauerndorf. ich hatte gänsehaut.
von der mauer hatte ich schon viel gehört; gerade in der letzten zeit kam viel darüber im fernsehen und viele erwachsenengespräche drehten sich um sie. ich hatte versucht, das zu verfolgen und zu verstehen, soweit man sowas als achtjährige verstehen kann. ich hatte von menschen gehört, die in ihrem land eingesperrt waren und bei dem versuch, es zu verlassen, erschossen würden. von autos, auf die man 18 jahre lang warten musste, von telefonanschlüssen, die nur bekam, wer dauerhaft krank war. von einer stasi, deren mitglieder ich mir immer wie die grauen herren bei momo vorstellte. mein vater hatte verwandte "drüben" und als er mal von einem besuch wiederkam, brachte er ostmark mit, irrwitzig leichtgewichtige münzen.
was da im vorfeld des 9. november passierte, hatte mich irgendwie aufgewühlt; ich hatte sogar einen brief an egon krenz geschrieben, in dem ich ihm mitteilte, wie toll ich das fände, dass die mauer jetzt ein loch hätte. das war, nachdem tausende menschen durch "löcher" in grenzzäunen in die bundesdeutschen botschaften prags und warschaus geflohen waren. adressiert habe ich den brief an "egon krenz bei rtl", weil ich ihn eben im fernsehen gesehen hatte. ich glaube, die erwachsenen um mich herum hat das amüsiert; aber leider hat niemand den inhalt meines briefes (und damit mein verständnis der geschehnisse) oder die adresse auf dem umschlag korrigiert.
jedenfalls saßen wir vor diesem fernseher, meine mutter und ich; ich mit gänsehaut und großem staunen, schweigend. und meine mutter nervös, unuhig. sie murmelte immer wieder leise worte der fassungslosigkeit vor sich hin; das einzige was sie während der gesamten berichterstattung laut und deutlich sagte, war: "guck dir das genau an, ganz genau. du musst dir das alles merken und das darfst du nie, niemals vergessen". und dann weiß ich noch, dass sich in der zeit nach dem 9. november selbst in unser popeliges kuhkaff der ein oder andere trabbi verirrte, und ich sehe meine mutter am straßenrand stehen und jedem einzelnen trabbi mit betont erfreutem gesichtsausdruck zuwinken.

jedes jahr am neunten november sitze ich wieder vor dem fernseher und gucke mit all die dokumentationen und chroniken an. und jedesmal kriege ich erst gänsehaut ("...privatreisen nach dem ausland...das tritt nach meiner kenntnis...ist das sofort....unverzüglich") und dann tränen in den augen bei den archivbildern der feiernden, tanzenden und schluchzenden menschen.

Freitag, 6. November 2009

ich schiebe mein kind im ärgsten studentischen mittagsgedränge durch die lunch-verabredungs-grüppchen vor der mensa. es riecht nach billiger bouillon und altem fett, ich entdecke kein einziges bekanntes gesicht. in dem gleichen rucksack, in dem ich früher meinen laptop und meine texte in die bibliothek schleppte, trage ich die lunchbox des kindes (banane, brot, birne), ein paar einkäufe und unterlagen für einen termin bei der steuerberaterin. zuhause krame ich in schubladen, klarsichthüllen und aktenmappen nach wahllos durcheinander gesammelten belegen und rechnungen; schmeiße die papiernen drei kilo inhalt des ordners "hs die brd in den 90er jahren" ins altpapier; überklebe das schild und richte darin meinen ersten buchhaltungsordner ein.

Montag, 2. November 2009

there are @-signs in my soup.


[und auch keine kleinen €- zeichen und keine hühner.]